Die Due Diligence stellt eine der größten Hürden auf dem Weg zu einer Beteiligung eines Investors dar. In den letzten Jahren hat sich neben den klassischen Feldern von Finanzen, Geschäftsmodell, IT, Legal usw. immer mehr die Überprüfung der Social Media-Prozesse eines Unternehmen in den Vordergrund gespielt. Was sollten Startups beachten?

Wie wichtig ist Social Media im Due Diligence-Prozess?

Wenn Unternehmen über ihre Social Media-Aktivitäten berichten, wird meist nur über die Anzahl der Follower oder die Anzahl der Kommentare zu einzelnen Aktivitäten gesprochen. Dabei kann Social Media ein recht ungefärbtes Bild zur Wahrnehmung einer Marke abbilden. Oder auch Informationen über die Wahrnehmung als Arbeitgeber bieten.

Social Media ist ein wichtiges Kriterium im Due Diligence Prozess

Daher hat sich in den letzten Jahren die Analyse von Social Media als ein wichtiger Bestandteil im Due Diligence Prozess durchgesetzt. Der Investor oder strategische Partner möchte lernen, wie das Unternehmen auf den sozialen Medien auftritt und wie Kunden über die Marke bzw. das Unternehmen denken und reden.

Gleichzeitig ergeben sich wichtige Erkenntnisse über die Aktualität und die Authentizität, mit der ein Unternehmen nach außen auftritt.

Und gerade das Wissen über die Arbeitgeberwahrnehmung ist für Investoren besonders interessant, denn beim Skalieren eines Startups werden ja weitere Mitarbeiter dringend gesucht.

Warum ist Social Media so aussagefähig und relevant?

In vielen Branchen hat Social Media heute eine sehr hohe Relevanz für den gesamten Customer Life Cycle. Der Kunde informiert sich in einem Mix verschiedener Touchpoints über ein Unternehmen, eine Marke oder ein Produkt. Und dabei nutzen sowohl Konsumenten als auch die Mitarbeiter Social Media als einen der Anlaufpunkte. Eine Studie von Forrester belegt, dass 80% der Konsumenten über Social Media aktiv den Kontakt zu Marken suchen.

Dabei wird oftmals der Customer Service eines Unternehmens über Social Media Kanäle kontaktiert. Es ist deshalb wichtig, dass ein Unternehmen auf allen wesentlichen Kanälen mit seinen Kunden, Interessenten und Followern interagiert. So schafft man Awareness für die eigene Marke.

Für einen Investor ist es daher wichtig zu verstehen, wie diese Kontakte zwischen Kunde und Marke stattfinden und um welche Themen es sich dabei handelt. Damit kann man schnell einen Überblick über die Zielmarke und über das Wettbewerbsumfeld gewinnen.

Die Analyse folgt meist psychologischen und mathematischen Aspekten. Am Markt haben sich bereits einige Unternehmen entwickelt, die Social Media für Unternehmen und Investoren auswerten und sich dabei auf KI-basierte Modelle stützen. Viele Investoren nutzen bislang jedoch noch ihre eigenen Teams, um eine Analyse durchzuführen.

Welche Daten und Metriken sind wichtig?

Kommentare und Postings von Kunden und Mitarbeitern sagen qualitativ sehr viel über das Unternehmen aus. Neben den öffentlich zugänglichen Social Media Daten, wie z. B. offizielle Facebook Seiten, relevante YouTube Kanäle, Twitter, Instagram usw. werden insbesondere Produkt Review Seiten und Arbeitgeberbewertungsseiten wie z.B. Kununu betrachtet

Ausgewertet werden Kriterien wie z.B. die Markentreue, die Kundenbindung, das Wettbewerbsumfeld oder neu entstehende Anforderungen der Kunden an das Unternehmen.

Für strategische Investoren ist es auch spannend die Kundensegmente und Kommunikationswege beider Unternehmen zu vergleichen. Hier entscheidet sich, ob der Merger das bestehende Kundenpotenzial erweitert oder ob der gleiche Kundenkreis angesprochen wird. Eventuell muss über neue Strategien nachgedacht werden.

So ist es bei einem der letzten Merger in der Schuhindustrie erfolgreich gelungen, günstige Schuhe einer Billigmarke unter Einsatz von Brand Image und Influencern deutlich teurer in einer neuen Marke zu verkaufen.

Ihr seht, ein spannendes Thema. Es lohnt sich deshalb, in eure Social Media Aktivitäten zu investieren.

Bei weiteren Fragen z.B. zu Social Media im Investorenprozess und gerne auch zu anderen Fragen nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.