Aktuell treibt das Coronavirus nicht nur die Börsen in einen Crash, sondern es sind auch viele kleine und mittelständische Unternehmen bis hin zu Solounternehmen betroffen. Milliardenschwere Hilfspakete sollen es nun richten. Startups sind massiv betroffen, gerade weil die meisten dieser Fördermaßnahmen bislang für sie nicht greifen. Wie verhalten sich aber Startup-Investoren in der aktuellen Situation?

Wie verhalten sich Startup-Investoren während der Corona-Krise

In den letzten Tagen haben mich mehrere Anfragen erreicht, ob die von Startups erhofften Gespräche mit Investoren denn überhaupt noch stattfinden. Und tatsächlich, viele von Euch berichten, dass sich Neuinvestoren aus Gesprächen zurückziehen oder diese verschieben wollen.

Ist mit Neuinvestoren zu rechnen?

Wir werden in den nächsten Wochen noch viele solcher Absagen hören. Die Investoren halten aktuell erst einmal viel mehr Cash vor als in normalen Zeiten und die Banken sind viel vorsichtiger mit Überbrückungskrediten für riskante Deals.

Speziell eure Startups aus dem innovationsgetriebenen Technologieumfeld sind in erster Linie auf Wachstum ausgelegt und in den allermeisten Fällen noch nicht profitabel. Das heißt, viele von euch verbrennen Geld, um eure Innovationen in den Markt zu bringen und Marktanteile zu gewinnen. Ein finanzielles Polster gibt es daher höchst selten. Eure Kunden kämpfen gerade selbst mit den Auswirkungen der Pandemie, in den meisten Fällen brechen Umsatz und Wachstum ein.

In einem solchen Umfeld werden Due Diligence und Verhandlungen nicht einfacher, sodass ihr zunächst nicht mit dem Geld neuer Investoren rechnen solltet.

Verantwortung der bestehenden Investoren

Somit kommt es in der aktuellen Krise auf die bereits vorhandenen Investoren an. Zum Beispiel mit Hilfe von Bridge-Loans könnte eure Finanzierung gesichert werden. Dabei wird Kapital als Darlehen zur Verfügung gestellt, um die Verluste zum Beispiel für die nächsten sechs Monate zu decken. Diese «Bridge Loans» können dann im Rahmen einer Investmentrunde in Anteile umgewandelt, oder im besten Fall nach einer Erholung zurückgezahlt werden.

Was aber, wenn eure Investoren selbst in eine Liquiditätskrise geraten? Viele von ihnen haben ihren Portfoliounternehmen deshalb bereits geraten, Cash-Positionen aufzubauen, indem diese Zahlungen verschieben, Marketingausgaben einfrieren und freie Mitarbeiter freistellen.

Keine schönen Aussichten und für Startups ohne Investoren haben wir auch noch keinen Ansatz dargestellt.

Startup-Verband legt Schutzschirm für deutsche Startups vor

Der Deutsche Startup-Verband hat deshalb reagiert und am 20.3.2020 einen 4-Stufen-Plan zum Schutz deutscher Startups vorgelegt. Dieser unterscheidet nach den verschiedenen Entwicklungsstadien von Startups und sieht unterschiedliche Lösungsansätze für die einzelnen Gruppen vor.

Stufe 1: Maßnahmen für Startups in früher Phase bzw. ohne Wagniskapitalgeber

Stufe 2: Maßnahmen für Startups mit Wagniskapitalgeber – ein “Matching-Fonds”

Stufe 3: Maßnahmen für Scale-ups

Stufe 4: Maßnahmen für einen Secondary Market bei ausfallenden Investoren

Den vollständigen 4-Stufen-Plan findet ihr hier https://deutschestartups.org/wp-content/uploads/2020/03/20200319_SchutzschirmfuerStartups_StartupVerband.pdf

Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. sagt dazu:

„… Es ist wichtig, dass in einer Situation wie dieser Verantwortung übernommen wird. Das hat das deutsche Startup-Ökosystem vor der Krise, das tut es gerade und das wird es auch danach. Die geforderten Maßnahmen haben das Ziel die Arbeitsplätze, die deutsche Startups in den letzten Jahren geschaffen haben, zu erhalten. Wenn diese Maßnahmen Erfolg haben und diese Krise überstanden ist, haben wir die Chance gestärkt aus ihr hervorzugehen.“

Wollen wir hoffen, dass Bund und Länder dies genauso sehen und die erforderlichen Hilfen schnell und unbürokratisch bei euch ankommen. Sobald wir die genauen Antragswege kennen, werden wir euch umgehend informieren.

Die Krise bietet auch Chancen

Die Private-Equity-Branche sitzt derzeit auf sagenhaften 2,5 Billionen Dollar, die sie investieren kann – mehr als doppelt so viel Geld, wie der amerikanische Staat in diesen Wochen für sein gigantisches Konjunkturprogramm ausgeben will. Wonach suchen die Investoren? Vor allem nach Unternehmen, die über ein robustes Geschäftsmodell für die Zukunft nach der Katastrophe verfügen.

Konkret auch nach Startups aus dem Gesundheits- und Pharmaziesektor, die bei der Bewältigung dieser oder zukünftiger Krisen unterstützen können.

Falls ihr Unterstützung bei anstehenden Gesprächen benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an. Und vor allem…. Bleibt gesund!

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.