In den letzten Jahren ist die Suche nach geeigneten Mitarbeitern immer schwieriger geworden. Viele Startups setzen deshalb zunehmend auf den Einsatz von Freelancern. Damit seid ihr nicht allein. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland bis 2027 jeder zweite Job von einem Freelancer besetzt wird. Umso wichtiger also, dass die Freelancer ins Team passen und gut von euch gesteuert werden. Wie das gelingen kann, verrät euch unser Gastautor Heinz Faessen.

Wie steuere ich meine Freelancer richtig?

Im Gespräch sitzen mir die beiden Geschäftsführer des Blockchain-Startups gegenüber. „Du, wir könnten noch eine Reihe von Projekten dazubekommen. Alle spannend, Geld würden wir auch verdienen. Aber wir finden keine passenden Entwickler…“. Da war es wieder.

Laut einer aktuellen Studie von SAP Fieldglass und Oxford Economics können knapp die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland ihre Arbeiten nicht mehr ohne Freelancer und Dienstleister fertigstellen. Und knapp 42% der Personalkosten werden bereits für Externe aufgewendet.

Vor allem im digitalen Bereich sind Freelancer zwischenzeitlich unverzichtbar. Das trifft dann Themen wie die künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Blockchain, Datenanalyse, IoT (Internet of Things) oder Robotik – allesamt „typische“ Startup-Bereiche.

Etablierte Unternehmen sind sich darüber einig, dass ihnen die externen Dienstleister, Startups oder Freelancer zur schnelleren Entwicklung und Verbesserung ihrer Produkte und Services verhelfen sowie die Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Umfeld sicherstellen.

Freelancern gehört also die Zukunft. In der Praxis ergeben sich für euch allerdings mehrere Herausforderungen.

Wo finde ich passende Freelancer?

Inzwischen gibt es eine Reihe von Plattformen, auf denen Freelancer gelistet sind. Hierzu gehören z.B. Gulp oder Hello Freelancer. Daneben ist es oftmals hilfreich, mit euren Mitarbeitern über deren Netzwerke zu sprechen. Da kennt dann sehr oft jemand jemanden, der… na ihr wisst schon. Und diese Kontakte erweisen sich in der Regel als viel genauer zu Euch passend, als es eine Beschreibung auf einer Plattform sein kann. Ein weiterer Weg geht über Offshore Modelle mit Programmierern z.B. aus Osteuropa.

Insgesamt ist es aber deutlich schwieriger geworden, passende Freelancer zu finden. Eine Aufgabe, die entweder von euch selbst übernommen werden sollte oder durch einen bereits bei euch vorhandenen Personal- und Recruiting-Bereich.

Wie betreue und manage ich meine Freelancer richtig?

Neben der Suche nach den richtigen freiberuflichen Fachkräften gibt es für nahezu alle Unternehmen eine weitere, immer größer werdende Herausforderung: das Management ihrer eingesetzten Freelancer. Diese Aussage gilt für große Konzerne genauso wie für euer Startup.

  • Wie werden Freelancer ins Team eingebunden?
  • Arbeitet ihr gemeinsam an einem Projekt?
  • Oder werden bestimmte Teilprojekte durch den oder die Freelancer alleine erledigt?
  • Wird in eurem Büro gearbeitet oder Remote?
  • Nehmen die Freelancer an euren Teamevents teil? Oder sind sie dort ausgeschlossen?

Je enger ihr einen Freelancer in eure Prozesse einbindet, desto eher wird er sich ins Team einfügen und Fehler bzw. ein falsches Verständnis seiner Aufgaben vermeiden können.

Laut der bereits genannten Studie setzen viele Unternehmen Freelancer zwar als vollwertige Mitarbeiter ein, managen sie aber nicht wie ihre Stammbelegschaft. Ein Vorgehen, das auch immer wieder in Startups zu finden ist.

Das führt dann dazu, dass Projekte nicht pünktlich oder im Rahmen des Budgets abgeschlossen werden. Oder es zu Datenschutz- bzw. Informationssicherheitsvorfällen kommt. Oder ihr euch nicht gut über den Projektstand informiert fühlt. Auch da unterscheiden sich Startups und Konzerne nur wenig. Den Führungskräften großer Unternehmen geht es ganz genauso.

Was solltet ihr beachten, damit es in eurem Startup zu keinerlei Problemen mit euren
Freelancern kommt?

  • Stellt sicher, dass alle Beteiligten wissen, welche Aufgaben konkret von wem zu erledigen sind.
  • Behandelt und informiert eure Freelancer im Projekt wie eure eigenen Mitarbeiter.
  • Klärt im Vorfeld, welche Zertifizierungen und Schulungen der Freelancer mitbringen muss, um euer Projekt auch wirklich unterstützen zu können.
  • Welche Zugriffsmöglichkeiten muss der Freelancer haben? Sind diese sicherheitsrelevant? Ist dazu eine AVV oder ein NDA erforderlich? Bleiben die Daten eurer Kunden sicher?
  • Wie erfolgt die Kontrolle der Arbeitsergebnisse und durch wen? Gibt es ein Qualitätsmanagement für die Erbringung der Leistung und die Prüfung der Arbeitsergebnisse?

Im Prinzip solltet ihr eure Freelancer in den Projekten so steuern, wie es auch mit euren eigenen Mitarbeitern funktioniert. Und je mehr Austausch zwischen den Freelancern und den eigenen Leuten entsteht, desto größer ist auch die Chance, einen guten Freelancer vielleicht doch zu einem langjährigen Mitarbeiter zu machen.

Und mein Blockchain-Startup? Wir suchen noch! Falls also jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, dann schickt mir doch gerne eine Nachricht.

Bei weiteren Fragen zum Einsatz von Freelancern und gerne auch zu anderen Fragen nutze Dein growr-Netzwerk. Meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.