Auf Sparkonten regiert der Negativzins und immer mehr Anleger suchen deshalb nach Alternativen. So wächst auch die Bereitschaft privater Geldgeber in Startups zu investieren. Manche von ihnen vertrauen ihr Geld Investorenfonds an, andere investieren direkt. Daneben gibt es Business Angels, öffentliche Fördergelder, Private Equity, Corporate Venture oder Venture Capital. Doch wann passt welche Finanzierung für euch als Gründer?

Welcher Investor passt wann?

In einem Webmeeting aus der letzten Woche: zwei Gründer berichten von ihren Fortschritten bei der Suche nach Investorengeldern. Und wie immer schwingt die Sorge mit: binden wir uns an den richtigen Partner? Das Produkt ist gut, Kunden sind da, der Umsatz steigt, zwischenzeitlich sind auch eine Reihe Mitarbeiter eingestellt worden. Also alle Zeichen auf Wachstum. Aber was passiert, wenn wir in dieser wichtigen Entscheidung falsch liegen und nicht den richtigen Partner finden?

Die Sorge ist nachvollziehbar und berechtigt. Was könnt ihr tun, um eure Entscheidung für oder gegen einen Investor abzusichern? Folgende Fragen sind hilfreich….

Für welche Investoren ist mein Unternehmen interessant?

Setzt euch einfach einmal auf den Stuhl des Investors. Warum sollte er in euer Unternehmen investieren und das Risiko eines Totalverlustes eingehen?

Bestimmt dazu zunächst die Phase, in der sich euer Startup befindet. Seid ihr noch im Seed oder befindet ihr euch schon im Scale-up? Andere unterscheiden hier auch zwischen Discovery, Crafting und Deployment. Diese Einordnung hilft euch schon, bestimmte Investorengruppen auszuschließen. Viele Investoren akzeptieren kein Investment in eine Unternehmung, die noch keine schwarzen Zahlen schreibt. Andere investieren nur innerhalb bestimmter oder erst ab bestimmten Größenordnungen.

Und jetzt müsst ihr mit eurem Startup auch noch das Interesse der Investoren treffen. Passen Branche, Ausrichtung, Unternehmenszweck und Skalierungsgröße? Erwartet der Investor von euch ein moderates Wachstum bei wenig Risiko oder will er so schnell wie möglich „das nächste große Ding“? Und passt das auch zu euren eigenen Zielen?

Welcher Investorentyp passt zu mir?

Ihr habt schon definiert, in welcher Phase ihr euch befindet. Bestimmt jetzt bitte, wieviel Geld ihr braucht und wie weit ihr die Investoren in euer Unternehmen integrieren wollt. So macht es beim Start sicherlich Sinn mit einem oder mehreren Business Angels zu arbeiten, später dann eher mit einem strategischen Partner oder einem VC-Geber.

Heute unterscheidet man klassische VC-Gesellschaften von den sogenannten Inkubatoren und Acceleratoren, die Gründer nicht nur mit Geld, sondern auch mit Infrastruktur, Know-How und Kontakten unterstützen. Bei den Inkubatoren handelt es sich meist um Unternehmen oder vermögende Privatleute, bei den Acceleratoren um Programme von Hochschulen, Beteiligungsgesellschaften oder z.B. Industrieverbände.

In vielen Fällen bietet es sich an, an einem Acceleratoren-Programm teilzunehmen und von den dortigen Schulungsmöglichkeiten zu profitieren, ehe man die Investoren-Entscheidung trifft.

Ein Wort noch zu Family & Friends als Investoren: wenn niemand anderer bereit ist euch zu unterstützen, überlegt euch bitte sehr gut, ob ihr eure Freunde und Familie wirklich belasten wollt. Ihr müsst wirklich zu 100% hinter eurer Idee stehen, damit aus F&F nicht Family, Friends & Fools wird….

Wie wird Geld bereitgestellt?

Sind die Auszahlungen an Bedingungen geknüpft? Welche Zugeständnisse erwartet der Investor von euch? Seid ihr auch bereit, diese Zugeständnisse zu machen?

Bekommt ihr die Gelder als Einlage oder als Kredit? Wie sind ggfs. die Rückzahlungsmodalitäten. Und damit kommen wir auch gleich zur nächsten Frage….

Mit welchem Vertrags- und Regelungsumfang ist zu rechnen? Wie standardisiert ist das Vertragswerk? Wie viel Gestaltungsspielraum besteht im Einzelfall?

Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, denn die Anlagebedingungen können eure weitere Tätigkeit, zumindest aber eure Entscheidungsfreiheiten, stark beeinträchtigen. Manchmal reichen Standardverträge vollkommen aus, in anderen Fällen ist es sehr sinnvoll, Sondervereinbarungen treffen zu dürfen.

In Deutschland und der EU gibt es eine Vielzahl von öffentlichen Förderprogrammen und Beteiligungen. Diese bieten den Vorteil, dass ihr eure Anteile zu einem späteren Zeitpunkt problemlos zurückkaufen könnt.

Immer spannender werden auch die sogenannten Venture-Loan-Kontrakte der Banken, bei der diese bereits vor de Erreichen des Break-even und eigentlich nicht gegebener Kapitaldienstfähigkeit in skalierende Startups investieren.

Wie lange dauert die Kapitaleinwerbung?

Realistisch müsst ihr, je nach Art und Umfang der Finanzierung von mindestens 3 – 6 Monaten ausgehen, eher von 6 – 9 Monaten, um als bereits am Markt bestehendes Unternehmen eine vernünftige Finanzierungsrunde durchführen zu können. Aber manchmal muss es ja auch einmal schnell gehen. Für diesen Fall denkt doch gerne auch über eine Finanzierung via Wandeldarlehen oder den Einsatz alternativer Finanzierungsmittel, wie z.B. Leasing, Factoring oder Finetrading, nach.

Ihr müsst euren Weg finden, bei dem ihr euch wohl fühlt und in der Lage seid, eure Ziele zu verfolgen. Meine beiden Gründer suchen nun übrigens nach einem VC, der sie auch im europäischen Ausland begleiten will.

Bei Fragen nutzt euer growr-Netzwerk. Wir verfügen in diesem Thema über eine Menge Kontakte. Sprecht uns gerne an….

Falls ihr Fragen zu diesen Themen habt, stehen wir euch im growr-Netzwerk gerne zur Verfügung. Übrigens zwischenzeitlich auch mit dem neuen Förderpartner.de. Schaut einfach rein….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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