In einem der letzten Beiträge hatten wir euch den Corporate Venture Capital Canvas vorgestellt. Seitdem haben wir eine Menge Rückmeldungen erhalten, in denen ihr von Zielkonflikten mit euren Investoren berichtet. Was also tun, wenn der Investor nicht passt? 

Was tun, wenn der Investor nicht passt?

Die Finanzierung ist und bleibt eines der schwierigsten Themen im Startup. Es gibt zwar mittlerweile genug Geld im Markt und eine Vielzahl von interessierten Investoren, Acceleratoren und Inkubatoren, die eine Unterstützung anbieten. Und auch die Förderlandschaft hat sich in Deutschland und Europa in den letzten Jahren bestens entwickelt.

Und dennoch: es ist gar nicht so einfach, den passenden Investor zu finden. Viele von euch müssen recht lange suchen, bis sich überhaupt Investoren für euer Startup interessieren und gehen danach einen langen und mühseligen Weg, bis es mit der Finanzierung oder der Beteiligung klappt.

Sehr oft werden dabei Kompromisse eingegangen, die später im Tagesgeschäft zu Problemen führen.

Zwei Beispiele aus euren Rückmeldungen:

Da ist das Startup aus dem Süden, dass in der Finanzierungsrunde einen echten VC und einen Corporate aus der Branche als nahezu gleichberechtigte Geldgeber gewonnen hat. In der Runde war noch alles gut. Jetzt aber will der VC so schnell wie möglich skalieren, der Corporate dagegen Know-How für den Mutterkonzern absichern.

Oder das noch ganz junge Startup aus dem Westen, das hauptsächlich für einen großen Kunden tätig war. In der Finanzierungsrunde hat der Kunde das Startup für kleines Geld gekauft und zwischenzeitlich in sein Unternehmen eingegliedert. Das war´s dann mit dem Startup.

Was könnt ihr im Vorfeld tun, damit es nicht zu einem solchen Konflikt mit eurem Investor kommt?

Einfachster Weg: Trefft euren Investor und sprecht die Konflikte klar an. Vielleicht habt ihr ja gute Gründe, warum ihr die „Weltherrschaft noch nicht in diesem Jahr“ erreichen wollt oder warum erst noch die Organisation mitwachsen muss. Oder was ihr noch am Produkt verbessern wollt? Manchmal ist dem Investor schlicht nicht bewusst, dass seine Ziele mit euren kollidieren. Je früher ihr miteinander sprecht, desto besser.

Der CVC-Canvas eignet sich ebenfalls sehr gut für ein moderiertes Gespräch mit den Investoren. Eine Alternative dazu ist ein echter Workshop mit den Investorenvertretern. Wir haben zum Beispiel gute Erfahrungen mit Planspielen und Szenario-Techniken gemacht, um mit den Investoren einen gemeinsamen Weg zu erarbeiten.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einrichtung eines Beirats, der mit euch die Ziele und die Ausrichtung bespricht, aber auch als Puffer zum Investor dienen kann. In diesem Beirat können neben Experten aus der Branche auch euer Jurist oder Steuerberater sitzen. Ganz wichtig, es sollten nicht nur Vertreter der Investoren in dieses Gremium. Mithilfe eines solchen Instruments und der eher neutralen Beratung durch den Beirat könnt ihr eure Investoren bestenfalls auf eine Linie bringen, zumindest aber über bestehende Zielkonflikte informieren.

Und wenn von den unterschiedlichen Möglichkeiten gar nichts hilft?

In diesem Fall solltet ihr versuchen, ob ihr mit dem oder den Investoren eine Exitregelung treffen könnt. Nicht einfach und mit Sicherheit nicht trivial, aber auch so etwas ist schon vorgekommen.

Sowohl durch Übernahme von Anteilen durch einen anderen Investor als auch durch Rückkauf der Anteile durch die Gründer. Für den letzteren Fall solltet ihr einfach einmal mit den Förderbanken sprechen. Auch dort kennt man Mittel und Wege, wie ihr euch unterstützen lassen könnt.

Zumindest in unserem ersten Beispiel ist es zwischenzeitlich zu einem Happy-End gekommen. Der VC hat dort die Anteile des Corporates übernommen und die Zeichen stehen nun wieder auf Wachstum.

Habt ihr weitere Fragen zu diesem Thema?

Falls ihr weitere Unterstützung bei diesem Thema benötigt, nutzt gerne euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.