Die Due Diligence ist abgeschlossen und ihr seid noch im Geschäft? Dann startet nun ein noch wichtigerer Prozess, die Ausgestaltung des Beteiligungsvertrages. Was müsst ihr beachten?

Was solltet ihr vor einem Beteiligungsvertrag verhandeln?

Vor dem Abschluss eines Beteiligungsvertrages gibt es zwischen euch und den Investoren eine Menge zu besprechen. Die Beteiligungssumme und die Bewertung müssen ebenso geklärt werden wie die künftige Governance oder auch die Verteilung von Gewinnen und Verlusten. Diese Gespräche werden üblicherweise im Anschluss an die Due Diligence geführt und geben den Investoren noch einmal die Gelegenheit, euch in Aktion zu sehen. Werden ihre bisherigen Eindrücke bestätigt, werden sie gerne investieren. Sollten sich allerdings in dieser Phase Zweifel ergeben, kann der Investor durchaus noch abspringen. Die gute Nachricht: natürlich gilt das auch umgekehrt und auch ihr habt die Chance, euren möglichen Investor besser kennenzulernen.

Sachgerechtes Verhandeln nach dem Harvard-Prinzip

Um für beide Seiten ein gutes und passendes Ergebnis zu erzielen, lohnt es sich einige Zeit in die Verhandlung des Beteiligungsvertrages zu investieren. In der Praxis haben sich Verhandlungen nach dem Harvard-Prinzip als eine gute Basis herausgestellt. Dabei liefert diese Methode des sachgerechten Verhandelns (Principled Negotiations) wichtige Empfehlungen für komplexe Situationen, in denen langfristige gute Beziehungen zwischen den Verhandlungspartnern erzielt werden sollen.

  1. Menschen

Trennt die Beziehungsebene von den Inhalten. Letztere können sich verändern, aber in der Beziehung geht es immer darum, eine gemeinsame win-win-Situation zu schaffen und als Partner zu agieren. Und um es ganz deutlich zu sagen: falls die Chemie nicht stimmt, sagt die Beteiligung besser ab.

  1. Interessen

Verhandelt keine Positionen, sondern Interessen. Eventuell ist dem Investor gar nicht eine Beteiligung von 25,1% wichtig, sondern er möchte nur bestimmte Veto-Rechte. Und die könntet ihr durch einen Katalog von zustimmungspflichtigen Geschäften einräumen, ohne gleich ein Viertel eures Unternehmens abgeben zu müssen.

  1. Möglichkeiten

Prüft und erarbeitet gemeinsam die Optionen. Das könnten zum Beispiel sein: die Steigerung des Unternehmenswertes, die Sicherstellung der Handlungsfähigkeit, die Vermeidung von Transaktionskosten etc.. Bei gegenteiligen Interessen solltet ihr versuchen einen Ausgleich zu schaffen. Schaut darauf, welche Themen wem wie wichtig sind.

  1. Kriterien

Baut eure Ergebnisse auf objektiven Entscheidungskriterien auf. So sind zumeist die Höhe des Finanzbedarfs und die finanzielle Stärke des Investors bekannt, eine Einigung muss aber zum Unternehmenswert getroffen werden. Findet ihr hier keine gemeinsame direkte Bewertung, kann zum Beispiel der Weg über ein Wandeldarlehen für beide Seiten eine sinnvolle Möglichkeit sein. Die erforderlichen Kriterien sind bekannt, die Entscheidung über den Unternehmenswert kann dann auf einen späteren Zeitpunkt verlagert werden, wo eventuell eine höhere Sicherheit zur objektiven Bewertung besteht.

Unter Beachtung der vorgenannten Punkte sollte es euch möglich sein, konstruktiv und auf Augenhöhe mit den Investoren zu verhandeln.

Was gehört alles in den Beteiligungsvertrag?

  1. Wirtschaftliche Parameter
  • Höhe der Beteiligung und der Bewertung
  • Vesting
  • Gehalt Kernteam
  • Mitarbeiterprogramme
  • Liquiditätspräferenz
  • Verwässerungsschutz und Nachschusspflichten
  • Rechte beim Verkauf von Anteilen
  • Beteiligungsrechte in künftigen Runden
  1. Klärung der gegenseitigen Erwartungen und Spielregeln
  • Nicht-monetäre Aufgaben des Investors
  • Wettbewerbsverbote
  • Zeiteinsatz von Gründern und Investoren
  • Zustimmungspflichtige Geschäfte
  • Garantien der Gründer
  • Reporting
  • Sitzungsfrequenz
  1. Nächste Schritte
  • Welcher Notar soll den Vertrag fixieren?
  • Wer trägt welche Transaktionskosten?

Damit bleibt uns nur viel Glück zu wünschen, falls ihr vor der Verhandlung eines Beteiligungsvertrages stehen solltet.

Bei Fragen…

Falls ihr Fragen zu diesem Thema habt oder Unterstützung benötigt, stehen wir euch im growr-Netzwerk gerne zur Verfügung. Übrigens zwischenzeitlich auch mit dem neuen Förderpartner.de. Schaut doch auch dort einmal rein….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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