VUCA beschreibt die Unberechenbarkeit der heutigen Welt und die daraus resultierenden Anforderungen an eine moderne Unternehmensführung. Gerade etablierte Unternehmen mit gewachsenen Strukturen tun sich mit der Geschwindigkeit und der Komplexität anstehender Veränderungen sehr schwer. Aber bieten solche Situationen nicht auch hervorragende Chancen für innovative Startups?

VUCA im etablierten Unternehmen – Chance für Startups?

Schon seit jeher müssen Unternehmen anstehende und zu erwartende Veränderungen managen. Doch Globalisierung, soziale Medien, Digitalisierung, neue Technologien und veränderte Kommunikationswege erschweren zunehmend diese Aufgaben. Kurzum: „Die Welt wird immer verrückter“.

Grob verkürzt kann man so den Begriff VUCA umschreiben. Er steht für Volatility (Volatilität), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) – vier Themenfelder, die die moderne Business- und Arbeitswelt vor Herausforderungen stellt und neue Ansätze im Denken und Handeln erfordert.

Und diesen Herausforderungen müssen sich etablierte Unternehmen ebenso wie Startups stellen.

Viele große bzw. etablierte Unternehmen haben Schwierigkeiten beim Change

Doch gerade das Managen von Veränderungsprozessen fällt vielen großen oder etablierten Unternehmen schwer. Gewachsene Strukturen treffen auf sich schnell ändernde Rahmenbedingungen, die zunehmend schwerer zu bewerten sind. In einem solchen Tanker-Umfeld Change-Prozesse umzusetzen ist deutlich schwieriger als im kleinen Schnellboot eines Startups.

Schauen wir uns die vier Teilbereiche des VUCA etwas genauer an.

VUCA steht für:

Volatilität (Volatility)

Wie schnell ändern sich die Branche, die Wirtschaft oder die Welt als Ganzes?

  • Wie hoch ist die Fluktuation, z. B. bei Nachfrage oder Mitarbeitern?
  • Wie oft kommt es zu unerwarteten Änderungen?
  • Wie kurz sind die Time-to-Market-Zyklen?
  • Wie schnell verändern sich Technologien und Trends?
  • Wie schnell verändert sich das Marktumfeld oder die Konkurrenz?

Kennt Ihr noch Nokia? Oder Kodak? Beides Beispiele, bei denen Trends komplett verschlafen wurden.

 Uncertainty (Ungewissheit)

Wie gut können wir die Zukunft voraussagen?

  • Sind Entscheidungen einfach zu treffen und gut planbar?
  • Ist unser Projekt oder Unternehmen gut aufgestellt? Kann unser Unternehmen auch in der Zukunft bestehen?
  • Wie aussagekräftig sind vergangenheitsorientierte Analysen für eine in die Zukunft gerichtete Entscheidung? Welche Trends müssen beachtet werden? Welche Trends sind nicht wichtig?

Schaut euch einmal an, wie sehr sich z.B. Banken und Versicherungen in den letzten Jahren verändert haben.

Complexity (Komplexität)

Wie viele Faktoren müssen wir in unsere Überlegungen einbeziehen und wie stark sind sie miteinander verknüpft?

  • Welche Anzahl von Einflussfaktoren wirken auf das Projekt, Unternehmen, den Markt oder den einzelnen Arbeitsplatz?
  • Wie sehr sind diese Einflussfaktoren miteinander verknüpft?
  • Habe ich überhaupt eine Chance detaillierte Analysen durchzuführen?
  • Könnt ihr wirklich alle Einflüsse überblicken?
  • Wie klar ist der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung?

Schaut euch einmal das neue Lieferkettengesetz an. Seid ihr wirklich in der Lage eure Lieferkette und das Verhalten eures Partners in China oder Indien zu bewerten?

Ambiguität (Mehrdeutigkeit)

Wie vage sind Informationen und wie unterschiedlich können sie gedeutet werden?

  • Wie vollständig oder widersprüchlich sind die euch vorliegenden Informationen?
  • Wie hoch ist das Risiko, eine falsche Entscheidung zu treffen?
  • Wie konkret könnt ihr eure Anforderungen formulieren?
  • Könnte es zu unterschiedlichen Interpretationen und zu Missverständnissen kommen?

Nachhaltigkeit ist toll. Aber wie könnt ihr z.B. die 17 Sustainable Goals allesamt gleichzeitig einhalten?

Zwischenfazit: Gerade größeren Unternehmen fällt es schwer, in einem schwieriger werdenden Umfeld bei unsicherer Entscheidungsgrundlage Entscheidungen zu treffen und auch sauber im Hause umzusetzen.

Die gefühlte Ohnmacht führt dann sehr oft zu Micromanagement oder es werden zeitgleich widersprüchliche Strategien oder Produkte eingeführt. Und in anderen Fällen wird nicht entschieden und zu lange an alten Strukturen festgehalten. Kurzum, Innovation wird behindert, Erneuerung nicht vorgenommen.

Chance für euch als Startup?

Ja, die VUCA-Welt ist schwierig und erfordert neue Werkzeuge. Und gerade deshalb bietet sie hervorragende Chancen für euch als kleine und flexible Einheit.

Denn eure Stärke ist es ja gerade, disruptiv zu denken und neue Ansätze zu finden. Euer Kunde kämpft in vielen Fällen mit einer hohen Unsicherheit und benötigt auf dem Weg zu einer Entscheidung Vertrauen in euch und eure Lösung. Er muss bereit sein, sich auf euch einzulassen.

Vier Punkte helfen euch auf dem Weg dorthin:

  • Versucht eurem Unternehmenskunden zu vermitteln, dass ihr ein gemeinsames Ziel verfolgt und ihn bei seinen erforderlichen Veränderungen unterstützen wollt und könnt.
  • Versucht eure Lösungsansätze möglichst transparent darzustellen, so dass euer Gegenüber Vertrauen in euch fasst.
  • Seid klar in euren Aussagen und schafft einen Fokus. Besser ein Problem sauber und nachvollziehbar gelöst als mehrere ohne Lösung zeitgleich zu diskutieren.
  • Seid agil. Wenn schon der Kunde Probleme in der Agilität habt, so müsst ihr umso anpassungsfähiger sein.

Ihr wollt mehr zu diesem Thema wissen? Empfehlenswert ist das erstmals 2007 erschienene Buch von Bob Johanson „Get There Early: Sensing the Future to Compete in the Present“.

 Bei Fragen…

Versucht es doch einfach einmal selbst und entwickelt die passenden Perspektiven für euer Startup und eure Kunden. Und falls ihr Fragen habt, stehen wir euch – wie immer – gerne zur Verfügung. Sprecht uns gerne an….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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