Im letzten Beitrag haben wir euch über Finazierungmöglichkeiten für Statups in der Corona-Krise informiert. Aufgrund der aktuellen Lage hat unser Investorenexperte Heinz Faessen ein Update hierzu erstellt.

Update zur Finanzierung von Startups in der Corona-Krise

Beim letzten Mal hatten wir euch versprochen, bei den Fördermitteln für Startups in der Corona-Krise am Ball zu bleiben. Startups sind massiv betroffen, gerade weil die meisten dieser Fördermaßnahmen bislang für sie nicht greifen. Zwischenzeitlich hat die Bundesregierung Anfang April ein 2 Mrd. € schweres Hilfspaket explizit für Startups verabschiedet. Leider fehlen die genauen Durchführungsverordnungen, die erst in den kommenden Wochen nachgereicht werden sollen. Ein kurzer Überblick. 

Start-ups haben grundsätzlich Zugang zu allen Unterstützungsmaßnahmen des Corona-Hilfspakets. Jedoch passen klassische Kreditinstrumente häufig nicht auf die Bedürfnisse von Start-ups, jungen Technologieunternehmen und kleinen mittelständischen Unternehmen. In vielen Fällen erfüllen sie die von Hausbanken gestellten Anforderungen an Kreditnehmer aufgrund ihres jungen Alters und meist sehr innovativen Geschäftsmodells nicht.

Anfang April hat deshalb die Bundesregierung die Wagniskapitalfinanzierung um rund 2 Mrd. € erweitert, damit auch weiterhin Finanzierungsrunden für zukunftsträchtige innovative Startups aus Deutschland stattfinden können.

Schrittweise sollen hierfür folgende Elemente umgesetzt werden:

  • Stärkung der Wagniskapitalinvestoren (auf Fondsebene) für die zusätzliche Kapitalbereitstellung für in Liquiditätsengpässe geratende Portfoliounternehmen
  • Unterstützung der Finanzierungsrunden bei ausfallenden Fondsinvestoren („Sekundärmarkt“)
  • Unterstützung von jungen Startups ohne Wagniskapitalgeber im Gesellschafterkreis und kleinen Mittelständlern

Wir hatten gehofft, euch mit diesem Update die genauen Antragswege beschreiben zu können. Leider ist es bislang bei der Ankündigung der Unterstützung geblieben, die o.g. Schritte sollen nun nach und nach umgesetzt werden.

Insbesondere der Weg für junge Startups ohne Wagniskapitalgeber, die an sich auch noch nicht bereit für eine Finanzierungsrunde sind, ist noch ziemlich unklar. Hier sollen voraussichtlich HGTF, Coparion, KfW und andere als staatliche Co-Investoren auftreten. Wie die Prüfungen dazu aussehen und welche konkreten Anforderungen an die Vergabe der Beteiligung gestellt werden, ist noch zu beschließen.

Gleichzeitig hat bereits die Finanzkrise von 2008 gezeigt, dass der Weg der Unterstützung von Startups über die Wagniskapitalgeber nicht der Königsweg ist.

Es gibt eine Menge von Herausforderungen, die von euch zu bewältigen sind. Viele von euch befinden sich bereits in Kurzarbeit oder denken zumindest darüber nach. Auch Soforthilfen haben viele von euch bereits beantragt.

Eine Finanzierungsrunde kommt somit zur Unzeit. Die geplanten Bewertungen und bereits verhandelte Meilensteine werden in den meisten Startups verfehlt, da lässt sich nicht wirklich auf Augenhöhe mit einem Investor verhandeln. Wenn auch viele Fonds noch anders kommunizieren, die ersten Deals wurden bereits zurückgezogen oder die Konditionen werden derzeit nachverhandelt.

Aber wer will es den Investoren wirklich verübeln, dass sie in der aktuell dermaßen unsicheren Marktsituation zunächst auf ihr Bestandsportfolio schauen und dort unterstützen?

Damit bleibt eine hohe Verantwortung beim BMWI. Ein alternativ sehr schnell umsetzbares Hilfsmittel wäre z.B. der Einsatz von Bridge-Loans in Form von Wandeldarlehen, wie es in der Schweiz praktiziert wird. Warten wir mal ab, wie sich die Bundesregierung entscheiden wird….

Was könnt ihr sonst noch sofort tun?

Operativ solltet ihr darüber nachdenken, nicht unbedingt erforderliche Investitionen zu verschieben, eure Ausgaben zu kürzen, die Möglichkeiten der Kurzarbeit zu prüfen und wenn möglich Zahlungen zu verschieben. Sowohl die Finanzämter als auch die Sozialversicherungen bieten ihre Unterstützung an.

Passen vielleicht doch die Kreditprogramme der KfW oder der Förderbanken der Länder? Wenn ihr in 2019 oder im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 bereits Gewinne erzielt habt, könnte auch ein Kredit eine kurzfristige Lösung sein.

Die Krise bietet auch Chancen

Wonach suchen die Investoren? Vor allem nach Unternehmen, die über ein robustes Geschäftsmodell für die Zukunft nach der Katastrophe verfügen. Konkret auch nach Startups aus dem Gesundheits- und Pharmaziesektor, die bei der Bewältigung dieser oder zukünftiger Krisen unterstützen können.

Sobald wir weitere Informationen zur Beantragung der Startup-Hilfen haben, werden wir euch sofort informieren. Bis dahin stehen wir euch bei Fragen zu den vorgenannten Themen und zur Beantragung der Hilfen gerne zur Seite. Ruft uns einfach an oder sendet eine Mail…

Nutzt euer growr-Netzwerk. Und vor allem…. Bleibt gesund!

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.