Die letzten Monate haben viele Bereiche unseres wirtschaftlichen Zusammenlebens komplett verändert. Ursprünglich sehr erfolgversprechende Geschäftsmodelle mussten gestoppt werden oder sind tatsächlich gescheitert. Andere und vor Corona gerne mal als langweilig angesehene Werte erfahren eine Rückbesinnung und werden zunehmend wichtig. In diesem Umfeld verändern sich auch die Anforderungen an Startups. 

Unternehmenswachstum nach Corona

Höher, schneller, weiter, und auf jeden Fall starkes Wachstum. Das war für viele Investoren sehr wichtig zur Beurteilung von Startups, Innovationen und Geschäftsideen. Doch ein kleiner Virus hat uns in den letzten Monaten gezeigt, dass sich unser Alltag auf einmal um ganz andere Dinge drehen kann.

Das Zukunftsinstitut beschreibt in einem aktuellen Whitepaper (https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Der-Corona-Effekt-Zukunftsinstitut.pdf  ) vier mögliche Szenarien, wie sich unser Leben und Wirtschaften nach der Pandemie entwickeln wird. Die höchste Zustimmung erhält dabei das Szenario einer resilienten Gesellschaft.  Das Zukunftsinstitut beschreibt das Szenario wie folgt:

„Die Welt lernt und geht gestärkt aus der Krise hervor. Wir passen uns besser den Gegebenheiten an und sind flexibler im Umgang mit Veränderung. Die Weltwirtschaft wächst zwar weiter, aber deutlich langsamer, mancherorts zeigt sich bereits Stagnation. Unternehmen in solchen Umfeldern brauchen neue Geschäftsmodelle und müssen unabhängiger vom Wachstum werden. Damit stellt sich automatisch die Sinnfrage nach dem Zweck des Wirtschaftens: Immer mehr Profit? Oder vielleicht doch bessere, sozial und ökologisch vorteilhaftere Problemlösungen für Kunden und andere Stakeholder? Eines ist klar: Das gemeinsame Überstehen der Krise verhilft zu einem neuen, achtsamen Umgang miteinander.“

Klingt doch für Startups gar nicht schlecht. Viele von Euch befassen sich mit sozialen und ökologischen Fragestellungen, entwickeln Lösungen für einen achtsamen Umgang mit Endkunden oder unterstützen Unternehmen beim Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Themen wie Nachhaltigkeit gewinnen deutlich an Bedeutung und auch Investoren verändern aktuell ihre Anforderungen. Das lässt doch für die Zukunft hoffen.

Doch wie könnt ihr euer eigenes Geschäftsmodell einfach und schnell verproben?

In einem Beitrag aus März 2019 hatten wir euch dazu die „4 S“ als ein Instrument zur Steuerung eures Wachstums empfohlen. Und gerade in der aktuellen Zeit, in der alle von der Resilienz sprechen, sind sie perfekt geeignet, um eure Organisation zu überprüfen.

Ihr wachst mit eurem Unternehmen immer dann erfolgreich, wenn ihr schnell, sicher, systematisch und skalierbar arbeitet.

 Ihr müsst schnell sein

Ihr solltet euer Produkt sehr schnell – gerne gemeinsam mit eurem Kunden – entwickeln und nach Möglichkeit erste Umsätze erzielen. Selbst als Innovationsführer beträgt der Vorsprung auf die ersten Nachahmer maximal noch 6 – 12 Monate. Ein kurzer Zeitraum, um sich als Marktführer und mit verhältnismäßig wenig Preisdruck etablieren zu können. Geschwindigkeit benötigt ihr aber auch bei euren Lieferwegen und -zeiten. Im Onlinehandel akzeptieren wir alle bereits ungern mehr als zwei Tage Lieferzeit. Warum sollte euer Kunde anders sein?

Ihr müsst sicher sein

Trotz aller erforderlicher Geschwindigkeit: euer Produkt, eure Lieferung, eure Entwicklungen oder Dienstleistungen müssen sicher und zuverlässig sein. Das gilt genauso für eure Infrastruktur, den Datenschutz und die Informationssicherheit. Und nun auch für euer Hygienekonzept und den Gesundheitsschutz. Könnt ihr z.B. kontaktlos liefern? Sind eure Lieferketten so sicher, dass ihr auch bei einem neuerlichen Lockdown weiterarbeiten könnt?

Ihr müsst systematisch sein

Beim Start eures Unternehmens gibt es noch keine Routinen und keine geregelten Abläufe. Wenn der erste Kunde dann Änderungswünsche hat, wird im Team alles möglich gemacht, dass der Kunde zufriedengestellt wird. Ihr lebt in dieser Startphase von eurer Flexibilität und dem individuellen Vorgehen. Wenn das Unternehmen größer wird, immer mehr Mitarbeiter dazu kommen und auch eine zweite Führungsebene erforderlich wird, geht es nicht mehr ohne eine Organisationsstruktur und geregelte, wiederkehrende Abläufe. Gerade diese Routinen führen zur Zuverlässigkeit, die sich eure Kunden aktuell wünschen. Habt ihr solch eine Struktur? Z.B. ein unternehmensweites internes Kontrollsystem?

Ihr müsst skalierbar sein

Was ist schöner für euch als eine ständig steigende Nachfrage zufriedener Kunden. Diese könnt ihr mit eurem vorhandenen Team nur bewältigen, wenn jeder weiß, was er zu tun hat, damit der Kunde euer Produkt oder eure Dienstleistung schnell und sicher erhält. Irgendwann wächst der Umsatz so stark, dass weitere Mitarbeiter an Bord kommen. Die können wiederum nur schnell und sicher eingearbeitet werden, wenn Systematiken und Routinen vorhanden sind. Denken wir jetzt nur einmal an die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen, dann ist diese Skalierbarkeit enorm wichtig. Aber bitte nur, wenn sie schnell, sicher und systematisch umgesetzt wird.

Die „4 S“ sind keine Wunderwaffe. Aber ein einfaches Tool, um euer Konzept zu verproben, Wenn es bei euch haken sollte, probiert es doch einfach aus…

Bei weiteren Fragen z.B. zum Unternehmenswachstum und gerne auch zu anderen Fragen nutze Dein growr-Netzwerk. Sprich uns gerne an….

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.