Das Risikomanagement wird in Startups gerne vernachlässigt. Leider sind laut einer Reihe von Statistiken aber auch mehr als die Hälfte der gegründeten Unternehmen nach rund zwei Jahren schon wieder vom Markt. Ein kleines und feines Risikomanagement kann euch helfen, dieses Schicksal zu vermeiden. Wie genau erklärt euch unser Gastautor Heinz Faessen.

Risikomanagement in Startupsungeliebt und megawichtig

Beim Start eures Unternehmens habt ihr euch eine Menge Gedanken machen müssen. Ihr habt eine Rechtsform ausgesucht, eventuell einen Gesellschaftsvertrag unterschrieben, Kontoverbindungen eingerichtet und vieles mehr.

Da ist es verständlich, dass ihr nun durchstarten und euer Produkt an den Markt bringen wollt. Doch gerade zu Beginn der unternehmerischen Tätigkeit lauern eine ganze Menge Risiken, die eure Gründung sehr schnell scheitern lassen können.

Die gute Nachricht ist, dass der Aufbau eines kleinen aber feinen Risikomanagements euch helfen kann, diesen Weg zu vermeiden und sogar ohne großen Aufwand realisiert werden kann.

Warum scheitern Startups in den ersten beiden Jahren?

Forderungsausfälle, zu schleppend zahlende Kunden und eine zu schlechte Ausstattung mit liquiden Mitteln, egal ob eigen- oder fremdfinanziert, werden immer noch als die häufigsten Ursachen für das Scheitern von Startups angegeben.

Darüber hinaus finden sich die Fehleinschätzung des Marktes und die daraus resultierende fehlende Nachfrage.

Deshalb solltet ihr gleich zu Beginn ein kleines Risikomanagement installieren, dass später an eure wachsenden Bedürfnisse angepasst werden kann.

Welche Punkte solltet ihr gleich zu Beginn beachten?

1. Im Businessplan plant ihr die Entwicklung eures Unternehmens.

Dabei findet man in guten Plänen neben der Normalbetrachtung auch eine Best Case- und eine Worst Case-Betrachtung. In solch einer Planung können z.B. Zahlungsausfälle, Zahlungsverzögerungen, Umsatzeinbrüche etc. simuliert werden. Die Worst Case-Betrachtung bildet das maximale Risiko ab und bietet eine gute erste Grundlage zur Ermittlung passender Gegenmaßnahmen.

So könnt ihr z.B.

  • die größten Risiken versichern (in einem der nächsten Artikel befassen wir uns mit den für euch relevanten Versicherungen),
  • für eure Kunden je nach Bonität und Wichtigkeit unterschiedliche Zahlungsarten und -fristen verhandeln oder auch
  • den Umsatzanteil für einzelne Kunden oder Lieferanten auf ein Maximum von z.B. 10 – 15% begrenzen.

Gerade, wenn ihr von einzelnen Kunden oder Lieferanten stark abhängig sein solltet, ist es wichtig, diese Partner regelmäßig zu prüfen. Haben diese Partner selbst ein Risikomanagement? Sind die letzten Lieferungen bzw. Zahlungen pünktlich erfolgt? Habt ihr aktuelle Wirtschaftsauskünfte zu diesen Unternehmen vorliegen?

2. In eine andere Richtung geht die Betrachtung eurer Kosten.

Mieten, fest eingestellte Mitarbeiter, die Buchhaltung, etc. verursachen Fixkosten. Diese bezeichnet man auch gerne mal als „sind-immer-da-Kosten“. Das heißt, ihr habt diese Kosten jeden Monat zu zahlen.

Egal, wie gut oder schlecht euer Umsatz war und ob eure Kunden pünktlich oder verspätet zahlen. Deshalb solltet ihr gerade zu Beginn Fixkosten so weit wie möglich vermeiden.

Natürlich gibt es gute Gründe, warum ihr z.B. einen fähigen Entwickler fest einstellen wollt und nicht als Freelancer beschäftigt. Und in dem einen oder anderen Fall werden diese Gründe auch durchaus überwiegen. In vielen anderen Fällen könnt ihr eure Kosten durch eine flexible Gestaltung an die jeweilige Auftragslage anpassen.

Ein solches Vorgehen ist allerdings nur möglich, wenn ihr auf eine ausreichende Anzahl von Partnern oder Ressourcen zugreifen könnt. Und je größer und stabiler euer Unternehmen wird, desto mehr sollten zumindest eure Kernprozesse innerhalb eures Unternehmens stattfinden, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

3. Ganz wichtig ist eine regelmäßige Kommunikation mit den Beratern, die um euer Unternehmen agieren.

Sprecht regelmäßig und gerade, wenn es gut läuft, mit der Bank, dem Steuerberater und euren wichtigsten Partnern. Sollte es zu einer Krisensituation kommen, habt ihr bestenfalls schon ein hohes Vertrauen aufbauen können. Und erhöht damit die Bereitschaft eurer Partner, euch in der Krise zu unterstützen.

4. Erstellt frühzeitig einen sogenannten Notfallordner.

In dem Notfallordner werden die wichtigsten Unterlagen, Berechtigungen, Zugänge und Vollmachten hinterlegt. Das sichert euch, eure Angehörigen und auch eure Mitarbeiter ab, falls ihr einmal ausfallen solltet. Formulare und Muster findet ihr z.B. bei der IHK oder könnt diese bei growr anfordern oder im Downloadcenter des Mitgliederbereichs abrufen.

Ein kleines Risikomanagement kann eine große Wirkung erzielen und euer gesundes Unternehmenswachstum absichern. Falls ihr euch den Aufbau alleine nicht zutraut, sprecht gerne eure Berater oder auch uns an.

Bei weiteren Fragen zum Risikomanagement und gerne auch zu anderen Fragen nutzt euer growr-Netzwerk. Meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.