In den letzten Monaten habe ich eine Reihe von Gesprächen mit Gründern führen dürfen, die nicht ein einzelnes Produkt, sondern gleich eine ganze Plattform starten wollen. Doch es ist gar nicht so einfach, die verschiedenen Interessen aller Beteiligten zu managen. Hier hilft der Platform Value Canvas.

Ihr baut eine Plattform? Dann nutzt den Platform Value Canvas

In den letzten Jahren haben wir den Erfolg von Plattformen wie Airbnb, Amazon, Facebook und Co. miterleben dürfen. Sie alle nutzen Technologie, um in einem interaktiven Ökosystem den Austausch von Daten und Gütern zu ermöglichen. Ziel ist es, sich als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage zu etablieren, dabei die bislang zwischengeschalteten Vermittler zu umgehen und nach Möglichkeit noch weitere Angebote zu platzieren.

Der ursprüngliche Markt wird dadurch erweitert und um neue Mechanismen ergänzt. Es ist allerdings nicht so einfach, die Komplexität eines auf einer Plattform basierenden Geschäftsmodells zu erfassen.

Alle beteiligten Interessengruppen benötigen eigene Nutzenversprechen und tragen somit zu verschiedenen Werttransaktionen bei. Der Platform Value Canvas hilft euch dabei, euer beteiligtes Ökosystem und die Anforderungen der Interessengruppen zu verstehen und passende Lösungen zu entwickeln.

 

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Platform Value Canvas | Quelle: www.creatlr.com

 

Entwickelt wurde das Konzept von Matthias Lohse, Nils Hoogendoorn und Matthias Walter. Ihr Ansatz war, dass der klassische Business Model Canvas zwar sehr gut für lineare Geschäftsmodelle verwendet werden kann, nicht aber die Vielschichtigkeit einer Plattform mit einer Reihe von Mittlerfunktionen zwischen den einzelnen Beteiligten abbildet.

Welche Rollen sind das nun konkret?

Relevante Rollen

Schauen wir uns das einmal am Beispiel von Airbnb an. Da gibt es zunächst einmal die Verbraucher (Consumer). In unserem Beispiel sind das die Airbnb-Gäste. Sie nutzen durch ihre Buchungen den „Kernwert“ der Plattform. Wenn sie selbst zum Kernwert der Plattform beitragen, wird ihre Rolle auch als „Prosumer“ bezeichnet. Das ist z.B. bei Facebook-Nutzern der Fall.

Auf der anderen Seite stehen die Hersteller (Producer), in unserem Beispiel die Airbnb Hosts. Sie tragen mit ihren Produkten und Angeboten zum „Kernwert“ der Plattform bei.

Die dritte wesentliche Rolle wird vom Eigentümer (Owner) besetzt, im Beispiel also Airbnb. Sie sind für den Betrieb und die Entwicklung der Plattform verantwortlich.

Bleiben noch die Partner (z.B. Paypal): Sie sind nicht direkt an der Transaktion des „Kernwertes“ beteiligt, sondern bieten Dienstleistungen an, die indirekt die Wertschöpfung unterstützen.

Wie könnt ihr mit dem Canvas arbeiten?

Startet am besten mit den Teilnehmern. Wer sind eure Konsumenten, wer eure Produzenten? Denkt auch daran, dass es Teilnehmer geben kann, die sowohl Kunde als auch Produzent sind. Und darüber hinaus sogar noch Werbepartner sein können.

Für wen sind eure Transaktionen interessant, wer kann sie um weitere Angebote als Partner ergänzen?

Nun geht ihr von außen nach innen vor und startet zunächst mit der Value Proposition. Was ist der Mehrwert für jeden Beteiligten und wie schnell kann er diesen Mehrwert generieren. Die Value Proposition ist entscheidend für den Erfolg eurer Plattform. Sollte nur eine beteiligte Gruppe nicht ausreichend berücksichtigt werden, gefährdet das den Erfolg der Plattform.

Die Value Transaction beschreibt, welche Werte gehandelt werden. Das können Waren, Dienstleistungen, Services oder auch Informationen sein. Und wieder gilt, die Interessen aller Beteiligten müssen angemessen und ausgeglichen berücksichtigt werden.

Die Key Platform Components beschreiben nun die Kernleistung der Plattform. Wie finden Angebot und Nachfrage zur Zufriedenheit aller Beteiligten zusammen? Helfen z.B. Algorithmen oder Filter? Hier führt ihr alle Punkte auf, die notwendig sind, um eure Plattform erfolgreich zu machen.

Ihr werdet nicht gleich in der ersten Runde die perfekte Plattform entwickeln und mit wachsender Teilnehmerzahl werden sich auch die Wünsche und Anforderungen verändern. Das heißt, ihr solltet euer Canvas immer wieder anpassen und erweitern.

Und wo bekommt ihr das Template her?

Ihr könnt euch das Tool unter www.creatir.com downloaden oder auch direkt im Netz bearbeiten. Auch etventure bietet das Tool kostenfrei zum Download an.

Probiert es einfach einmal aus.

Falls ihr weitere Unterstützung – zum Beispiel bei der Moderation eures Canvas-Workshops – benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.