Die letzten Monate haben viele Bereiche unseres wirtschaftlichen Zusammenlebens komplett verändert. Ursprünglich erfolgreiche Konzepte funktionieren oftmals nicht mehr. Wir stellen euch deshalb heute zwei Methoden vor, mit denen ihr eure Wettbewerbsfähigkeit schnell testen könnt.

Ist euer Unternehmen noch wettbewerbsfähig?

So langsam können wir es allesamt wohl nicht mehr hören. Ab dem Herbst wird in Deutschland ein hoher Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen erwartet, im kommenden Jahr soll es dann noch dramatischer werden.

Tatsächlich haben sich viele Rahmendaten in den letzten Monaten verschoben. Ein guter Zeitpunkt, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu überprüfen. Wir stellen euch deshalb die VRIN- und die VRIO-Methode vor, mit denen ihr diesen Test für euer Startup ganz einfach und schnell machen könnt.

VRIN-Methode

Bei der VRIN-Methode handelt sich um eine Kernkompetenzanalyse, bei der insgesamt vier Dimensionen betrachtet werden und erfüllt sein müssen. Diese werden als Value, Rare, Inimitable und Non-substitutable bezeichnet.

Nur wenn euer Wettbewerbsvorteil wertvoll, selten, einzigartig und nicht ersetzbar ist, kann auch die Wettbewerbsfähigkeit eures Unternehmens als dauerhaft bezeichnet werden.

Obwohl es sich um eine anerkannte, etablierte und bis heute gängige Theorie der Wirtschaftswissenschaft handelt, wird das VRIN-Modell in der Wissenschaft immer wieder heftig kritisiert. Aber das Modell ist halt einfach, robust und damit für einen schnellen und pragmatischen Test bestens geeignet. Übrigens könnt ihr damit alle Arten von Ressourcen überprüfen, Maschinen ebenso wie das eingesetzte Personal. Also los,…

  • Value – Wert/Nutzen: Sind eure verwendeten Ressourcen wertvoll? Denkt dabei an eure strategischen Chancen sowie an die Möglichkeit durch euren Vorteil Risiken abzuwehren. Tragen diese Ressourcen zur internen oder externen Wertschöpfung bei?  Ist der daraus entstandene Profit eher hoch oder gering?
  • Rarity – Seltenheit: Wie selten ist das analysierte Objekt? Ist es einmalig auf dieser Welt oder findet man es an jeder Straßenecke? Wie innovativ ist eure Ressource tatsächlich? Sie darf dabei knapp verfügbar sein, dies aber nach Möglichkeit für eine längere Zeit, um einen langfristigen Wettbewerbsvorteil zu erhalten.
  • Inimitability – Einzigartigkeit: Kann die Ressource schwer imitiert werden? Die Gründe können hier unterschiedlich sein, beispielsweise kann eine Ressource besonders teuer sein. Oder ihr benötigt halt einen hohen Know-How-Level. Wie schwierig ist es tatsächlich für andere, das gleiche oder etwas Vergleichbares zu kopieren oder nachzuahmen?  Wenn eure Ressource nicht einfach imitiert werden kann, habt ihr durch die Einzigartigkeit einen potenziellen Wettbewerbsvorteil. Setzt ihr eine Ressource ein, die leicht zu imitieren ist, werdet ihr nur einen kurzfristigen Wettbewerbsvorteil haben.
  • Non-substitutable – „Nichtersetzbarkeit“: Die letzte Dimension beschäftigt sich mit der Nachhaltigkeit – Kann das Unternehmen den Wettbewerbsvorteil langfristig halten? Bei diesem etwas komplizierteren Baustein der VRIN Methode fragt ihr ob das analysierte Objekt ersetzlich bzw. austauschbar ist. Ist es “lebenswichtig” oder gibt es andere Optionen, die den Nutzen deines Objekts genauso gut erfüllen?

VRIO-Methode

Die Erweiterung der VRIN-Methode ist die VRIO-Methode. Es handelt sich um ein Framework zur Analyse und Bewertung der unternehmensinternen Ressourcen und Fähigkeiten. Dabei soll ein Zusammenhang zwischen Wettbewerbsvorteilen und strategischen Ressourcen hergestellt werden. Wie zuvor werden die Dimensionen Wert (Value), Seltenheit (Rarity) und Einzigartigkeit (Einzigartig) beurteilt. Die Dimension “Non-substitutable – Nicht Ersetzbarkeit” aus der VRIN-Methode wird jedoch durch die Dimension “Organisation” ersetzt. Es soll erkannt werden, ob eine Ressource oder Kompetenz eines Unternehmens zu einem Wettbewerbsvorteil, -nachteil oder einer Kernkompetenz führen kann. Nicht jede Ressource ist automatisch ein Wettbewerbsvorteil.

 

  • Organisation: Ist das Unternehmen in der Lage die Ressourcen in den Wertschöpfungsprozess einzubauen? Es reicht nicht aus, seltene und einzigartige Ressourcen zu haben, sie müssen auch in der Organisation gut integriert werden. Ist dies der Fall, dann handelt es sich um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

 

Wie könnt ihr diese Methoden anwenden?

Identifiziert eure wertvollen, seltenen und kostbaren Ressourcen/Fähigkeiten. Betrachtet dabei die gesamte Wertschöpfungskette. Falls ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr diesen Schritt auch mit Hilfe einer SWOT oder einer PESTEL-Analyse durchführen.

Stellt euch nun die Frage, ob euer Unternehmen die dargestellten Ressourcen und Fähigkeiten auch wirklich nutzt? Werden diese richtig eingesetzt, um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu verzeichnen? Und gibt es Kontrollmechanismen, mit denen ihr den Einsatz der Ressourcen regelt?

Wie schützt ihr euren Wettbewerbsvorteil? Prüft bei diesem Punkt bitte auch rechtliche und organisatorische Maßnahmen. Um einen langfristigen Wettbewerbsvorteil halten zu können, sind diese zwei Aspekte besonders wichtig.

Wie macht ihr eure Antworten für euch messbar?

Gänzlich unakademisch, aber sehr hilfreich ist eine Bewertung der einzelnen Dimensionen in einer Skala von eins bis zehn. Versucht Kriterien für die Bepunktung zu finden. Und seid bitte ehrlich zu euch, denn bei einem Selbsttest und zu weichen Kriterien werdet ihr tendenziell immer zu gut abschneiden. Teilt die Summe eurer Ergebnisse durch vier. Bei einem Ergebnis von 7 und höher sollte euer Unternehmen wettbewerbsfähig sein. Bei einem Ergebnis < 7 solltet ihr euer Unternehmen weiter auf den Kopf stellen.

Wendet das Framework regelmäßig an, denn im Laufe der Zeit werden sich eure Antworten zu den Dimensionen ändern.

Wie gesagt, dies ist keine wissenschaftlich fundierte Herangehensweise, aber ein schnell gemachter Test zur ersten Überprüfung eurer Wettbewerbsfähigkeit.

Bei weiteren Fragen z.B. zur VRIO-Methode und gerne auch zu anderen Fragen nutze Dein growr-Netzwerk. Sprich uns gerne an….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.