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Investorengespräch – Teil II

Wie bereitet ihr euch auf das Gespräch mit potentiellen Investoren vor? Hier der zweite Teil von unserem Autor Heinz Faessen, der euch erklärt, was ihr dabei beachten solltet.

Auf dem Weg zum Investorengespräch – welche Unterlagen braucht Ihr eigentlich? – Teil 2

Gerade habt ihr eure Geschäftsidee gefunden und ihr wisst auch schon, für wen eure Produkte superspannend sind. Wenn nur nicht diese Finanzierung wäre. Für eure hoffentlich sehr schnell anstehenden Investorengespräche benötigt ihr eine Reihe von Unterlagen. Im ersten Teil dieses Artikels haben wir uns den Businessplan sowie die Planungen zur Rentabilität, zur Finanzierung und zur Liquidität angesehen. Im zweiten Teil geht es nun um die Executive Summary, das Pitch Deck und den Onepager. Darüber hinaus befassen wir uns mit der Verschwiegenheitserklärung.

Die Executive Summary – Herzstück und Visitenkarte

Endlich habt ihr euren Businessplan und die Planungen fertiggestellt. So wichtig diese Dokumente auch sind, bei der ersten Betrachtung eurer Idee wird sich kein Investor die Mühe machen diese Unterlagen komplett durchzulesen. Umso wichtiger, dass ihr ein kurzes, prägnantes Executive Summary formuliert, mit dem ihr Investoren überzeugt und Lust auf das Lesen des kompletten Businessplans macht.

Die Executive Summary beinhaltet dabei auf maximal zwei Seiten (besser sogar nur auf einer) sämtliche relevanten Informationen zu eurem Vorhaben. Auf jeden Fall sollten die folgenden Fragen beantwortet werden:

  •  Was ist eure Geschäftsidee?
  • Was ist das Besondere daran?
  • Welche Erfahrungen und Kenntnisse qualifizieren ausgerechnet euch (und euer Team) für dieses Gründungsvorhaben?
  • Welche Kunden kommen für euer Angebot in Frage?
  • Wie soll euer Produkt vermarktet werden?
  • Welchen Gesamtkapitalbedarf benötigt ihr für das Vorhaben?
  • Welches Umsatzvolumen erwartet ihr in den nächsten Jahren?
  • Welche Ziele habt ihr euch dabei gesetzt?
  • Welche Risiken bestehen?
  • Wann wollt ihr starten?

Diese Zusammenfassung stellt ihr bitte immer an den Anfang eures Businessplan. Nichts ist für den Leser nerviger als lange nach der Kurzdarstellung eurer Geschäftsidee suchen zu müssen.

Schreibt die Zusammenfassung so, dass sie auch eine fachfremde Person versteht. Eure Ansprechpartner auf der Kapitalgeberseite sind meist keine Fachspezialisten, da hilft kein „Expertengeplänkel“. Und auch wenn ihr die Investoren überzeugen müsst, bleibt bitte bei der Formulierung realistisch. „Extrem hohe Gewinnerwartungen“ oder „riesiges Marktpotential“ wirken vollkommen überzogen und unprofessionell.

Die Executive Summary hilft euch eure Geschäftsidee zu verkaufen. Sie ist kurz, knapp und soll direkt auf den Punkt kommen. Das heißt dann auch, dass mit dem ersten Satz der Investor oder Banker bereits gewonnen werden muss. Stellt die Idee so spannend und innovativ wie möglich dar. Beschreibt den einzigartigen Wert eures Angebots, die Unique Value Proposition. Klingt herausfordernd und ist es auch.

Unterstützung bei der Formulierung eurer Punchline oder elevator pitch genannten Darstellung eures Unternehmens findet ihr unter https://www.karriereletter.de/elevator-pitch/

Diese Punchline könnt ihr später auch in allen anderen Präsentationen übernehmen.

Das Pitch Deck – die Allzweckwaffe

Da eine Executive Summary textlastig und eher wie ein Flyer des Unternehmens konzipiert ist, eignet sie sich nicht so gut für eine emotionale Präsentation. Besser und visuell ansprechender ist ein sogenanntes Pitch Deck. In diesem wird eure gesamte Idee kurz, knackig und mit Hilfe von Grafiken auf den Punkt präsentiert.

Gut gemachte Pitch Decks benötigen keine Vorstellung durch den Unternehmer, sie sprechen für sich selbst. Achtet bitte darauf, dass sich ein Pitch Deck nach dem Adressaten richtet. Für einen Investor sind andere Informationen relevant als für einen IT-Entwickler oder einen Kunden.

Im Internet könnt ihr unzählige Hilfen zur Erstellung eines Pitch Decks finden, das heute maximal 15 Slides nicht überschreiten sollte. Gute Tipps und Infos findet ihr hier https://www.deutsche-startups.de/?s=pitch+deckoder unter bestpitchdecks.com/.

Ganz wichtig: ein gutes Pitch Deck erzählt eine in sich schlüssige Geschichte. Das Storytelling ist dabei deutlich wichtiger als hübsche Folien zu präsentieren. Ihr versendet das Deck in der Regel digital als PDF an einen Investor. Allerdings erst, nachdem ihr die Einreichung mit dem Investor abgesprochen habt. Schafft ihr es, sein Interesse zu gewinnen, folgt zumeist eine Einladung zum Erstgespräch.

Der Onepager – die Kurzvorstellung

Der Onepager ist noch komprimierter als das Pitch Deck und wird oftmals als erste Info an einen Investor versendet. Es ist ein einfaches und kurzes Faktenblatt, um einen schnellen ersten Blick auf eure Produkte und euer Unternehmen zu werfen. Einfach und schnell? Für den Investor ja. Für euch eher nicht. Mit dem Onepager bewerbt ihr euch bei einem Investor darum, pitchen oder sogar den Businessplan einreichen zu dürfen. Wie das Pitch Deck lebt der Onepager von einer guten Visualisierung und verdichtet auf gerade einmal einer Seite nahezu alle Informationen, die sich auch in der Executive Summary und im Pitch Deck befinden. Ihr solltet deshalb äußersten Wert auf die Gestaltung legen.

Nutzt einfach die ersten Slides eures Pitch Decks um die Einleitung eures Onepagers abzuleiten. Wie im Pitch Deck geht es um die sofortige Aufmerksamkeit des Investors. Und falls euch bereits eine gute Punchline gelungen ist, nutzt ihr einfach diese. Es lohnt sich, bei der Gestaltung einen Grafiker zu nutzen.

Abschließend noch eine Bemerkung zum

NDA – die Verschwiegenheitserklärung

Bei M&A-Transaktionen im Bereich von Corporates ist es üblich, dass die Beteiligten eine Verschwiegenheitserklärung austauschen. Dieses Non-Disclosure-Agreement, kurz NDA, soll vermeiden, dass euer Gegenüber Unternehmensgeheimnisse missbraucht oder Ideenklau betreibt.

Gerade Startups mit hochinnovativen Ideen möchten diese natürlich sichern und denken deshalb ebenfalls über die Vereinbarung eines NDAs mit potentiellen Investoren nach. In der Praxis verweigern VC-Geber jedoch zumeist den Abschluss eines solchen Dokuments. Nicht, weil sie die Ideen klauen wollen. Sie sehen vielmehr mehrere Hundert Ideen pro Jahr, von denen nur einige wenige weitergehend geprüft werden. Da ist die Vereinbarung eines NDAs für den Workflow eher hinderlich.

Es ist für euch deshalb hilfreicher in eurem Pitch-Deck nur das WAS zu erläutern, nicht jedoch das WIE. Diese Vorgehensweise sichert euch besser ab und macht den NDA in einer frühen Phase überflüssig.

Wenn ihr mehr zum Thema wissen wollt, dann meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

2019-01-15T16:13:25+00:00Januar 15th, 2019|Finanzierung, Gastbeitrag|

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