In der Beratung hat man immer wieder mit tollen Gründern zu tun, die oft auch das weitere Wachstum ihres Unternehmens erfolgreich steuern. Und leider genauso häufig findet man tolle Gründer und Menschen, die an der Aufgabe als Manager verzweifeln. Was dann tun? Das verrät euch unser Gastautor Heinz Faessen.

Hervorragender Gründer – aber kein Manager. Was tun?

Gerade ist es wieder passiert. Tolles Gründerteam, klasse Produkt und die Nachfrage ist riesengroß. Doch damit haben sich auch die Aufgaben der Gründer verändert. Von ihnen werden nun viel mehr Management und Strukturaufgaben erwartet. Die beiden sitzen da und klagen ihr Leid.

„Heinz, wir müssen uns um so viele Dinge kümmern, mit denen wir an sich nichts zu tun haben wollten und beim Produkt kommen wir überhaupt nicht mehr weiter. Wir wissen nicht einmal, was diese Woche im Sprint passiert. Es macht alles keinen Spaß mehr….“

Kennt ihr das? Aus eigenen Erfahrungen oder aus anderen Unternehmen? In einem anderen Artikel dieser Reihe haben wir bereits über die beiden ersten Stufen der Greiner-Kurve berichtet. Darüber, dass rund 95% aller Unternehmen nicht über das Stadium der Wachstumskrise bei rund 15 – 20 Mitarbeitern hinauskommen. Und es oftmals daran liegt, dass die Gründer nicht delegieren und loslassen können. Oder sehr viel lieber ihre alten Rollen beibehalten würden.

Was könnt ihr tun, wenn ihr einmal in eine solche Situation kommt?

Zunächst einmal könnt und solltet ihr eine ehrliche Bestandsaufnahme machen:

  • Warum wollte ich gründen?
  • Wollte ich ein Produkt erfolgreich machen oder viele Mitarbeiter führen?
  • Sehe ich mich eher als Innovator oder als Organisator?
  • Bin ich stärker in der Technologie oder im Personalmanagement?
  • Welche Aufgaben mache ich nur äußerst ungern?
  • Kann ich wirklich „angstfrei“ delegieren?

Damit kommt ihr zu einer realistischen Selbsteinschätzung. Falls ihr euch das alleine nicht zutraut, lasst euch bei dieser Bestandsaufnahme von einem Vertrauten, einem Business Coach oder einem Mentor zur Seite stehen.

Was sind eure „Zeitdiebe“?

In einem weiteren Schritt könnt ihr viele „Zeitdiebe“ durch eine Straffung der Organisation beseitigen. Hierzu bieten sich der Aufbau eines Frameworks (IKS, QM-Handbuch o.ä.) sowie formelle Informationsstrukturen an. Einmal eine neue Regelung im confluence oder ein Ticket im jira erfassen, frisst viel weniger Zeit als 10mal dasselbe Gespräch zu führen. Eventuell gewinnt ihr so schon die benötigte Zeit, um euch in eurer Rolle als Manager sicherer und vor allem weniger getrieben zu fühlen.

Habt ihr die richtigen Manager schon in der Organisation?

Üblicherweise werden die ersten Mitarbeiter des Unternehmens auch die ersten Abteilungsleiter. Da die Rollen komplett unterschiedlich sind, kann ein solches Vorgehen komplett kontraproduktiv sein. Besprecht euch auf jeden Fall mit euren Mitarbeitern, ob sie sich einen solchen Schritt zutrauen oder überhaupt wünschen. Und akzeptiert, wenn diese sich für eine Rolle als DevOp entscheiden, statt zum Abteilungsleiter der Unternehmensorganisation zu mutieren.

Erfahrung externer Manager nutzen

Oft sind es auch die vielen unterschiedlichen Themen, die gleichzeitig gemanagt werden wollen, die zu Magenschmerzen führen. Da sind zeitgleich die vielen Kundenprojekte, die fehlenden Personalressourcen, das noch fehlende Framework oder auch der noch dringend benötigte VC-Geber. Der vorübergehende Einsatz eines COO oder eines CFO können hier Abhilfe schaffen.

Und falls ihr euch überhaupt nicht in der Rolle eines Managers seht, dann holt frühzeitig einen erfahrenen COO fest ins Team.

Business Angel, Startplätze oder VC´s können euch sicherlich bei der Suche unterstützen. Es macht sowieso Sinn, sich in einer solchen Phase coachen zu lassen, denn ein unabhängiger Dritter beurteilt eure Unternehmenssituation viel neutraler.

Übrigens war ein COO auch die Lösung für meine beiden Gesprächspartner, die sich nun wieder dem Produkt bzw. dem Marketing widmen und die Führung einem externen Manager überlassen haben. Einem, der aus der Branche kommt und damit viele wichtige Kontakte mitbringt.

Bei weiteren Fragen zum Management und gerne auch zu anderen Fragen nutze Dein growr-Netzwerk. Meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.