Im letzten Beitrag haben wir versprochen, euch zukünftig noch mehr Tools vorzustellen, die ihr in eurem Alltag benutzen könnt. Uns erreichen weiterhin viele Fragen zur Überprüfung einer Geschäftsidee oder eines Geschäftsmodells. Das Business-Model Canvas haben wir euch als eine bekannte Lösung bereits vorgestellt. Die NABC-Methode kann euch bei diesem Thema ebenfalls sehr gut unterstützen. Wie genau, das verrät euch unser Gastautor Heinz Faessen.

Geschäftsmodell überprüfen – Die NABC-Methode

Ein Geschäftsmodell zu entwickeln ist keine einfache Aufgabe. Noch schwieriger wird es, wenn ein bestehendes Geschäftsmodell weiterentwickelt werden soll. Unterstützen kann euch dabei die NABC-Methode, mit der ihr euer Modell aus vier verschiedenen Perspektiven, den sogenannten Dimensionen, betrachtet und sehr schnell ein Feedback zu euren Ideen bekommt.

Die NABC-Methode

Die Methode wurde ursprünglich am Stanford Research Institute für die Geschäftswelt konzipiert. Die Buchstaben NABC stehen für Need (Bedarf), Approach (Ansatz), Benefit (Nutzen) und Competition (Wettbewerb). In wenigen Minuten kann mit diesem Vorgehen ein Geschäftsmodell entworfen und bewertet werden.

Need – Betrachtung der Kundenperspektive

Am Anfang steht der Bedarf aus Sicht der potentiellen Kunden

  • Wer sind eure Kunden?
  • Was ist das zentrale Kundenbedürfnis?
  • Wo liegen eure Chancen?
  • Womit haben eure Kunden heute Mühe?
  • Welche Kundenaufgaben können von euch übernommen werden?

Bei der Weiterentwicklung eures Geschäftsmodells hinterfragt ihr, wie ihr euer Angebot weiter verbessern könnt.

Approach – Betrachtung der Innenperspektive

Nachdem ihr euch mit dem Bedarf des Kunden beschäftigt habt, ermittelt ihr eine Idee für ein Produkt bzw. eine Dienstleistung. Hier helfen folgende Fragen:

  • Wie sieht euer Produkt-, Service- oder Prozessvorschlag konkret aus?
  • Welchen einzigartigen Lösungsansatz habt ihr dafür?
  • Wie liefert ihr die Lösung und wer liefert die Lösung?
  • Auf welche Weise verdient ihr damit Geld?

Seid bitte so konkret wie möglich, denn nur bei einer sauberen Leistungsbeschreibung könnt ihr auch die Wertperspektive ausreichend genau betrachten.

Benefits – Betrachtung der Wertperspektive

Betrachtet nun sowohl aus Sicht des Kunden als auch aus eurer Sicht die Wertperspektive.

  • Welchen konkreten Mehrwert ziehen eure Kunden aus dem neuen Produkt oder Service?
  • Womit könnt ihr den Nutzen für eure Kunden messbar machen?
  • Worin besteht euer Benefit?

Bewertet dabei immer qualitativ, quantitativ und seid so konkret wie möglich.

Competition – Betrachtung der Außenperspektive

Euer Angebot steht nun. Schaut euch im nächsten Schritt eure Wettbewerber und Alternativangebote an.

  • Was ist der Wettbewerb?
  • Wie unterscheidet ihr euch vom Wettbewerb?
  • Warum ist mein Kosten-Nutzen-Verhältnis besser als bei der Alternative?
  • Was könnte unsere Partner abschrecken mit uns die Idee umzusetzen?
  • Wie hoch ist das Risiko mit der Geschäftsmodellidee zu scheitern?

Wie läuft der Prozess idealerweise ab?

In der Praxis hat sich ein iteratives Vorgehen in vier Schritten als sinnvoll herausgestellt. Ihr werdet feststellen, dass diese Herangehensweise sehr viel Spaß macht und eine Menge Dynamik bei den beteiligten Teams entwickelt.

Teams von max. 4 Personen entwickeln jeweils eine Geschäftsmodellidee entlang der vier NABC-Dimensionen. Das Konzept wird in Form einer kurzen Präsentation (max. 4 Slides, eins pro Dimension) vorbereitet und im Anschluss 5 – 10 Minuten vor der ganzen Gruppe oder vor einem Gremium gepitcht.

Nun gibt die Gruppe oder das eingeschaltete Gremium dem Team Feedback. Die Fragen, Anregungen und Impulse nutzt das Team nun zur Überarbeitung der Idee. Dieser Vorgang wird – falls erforderlich – mehrfach wiederholt. Alternativ kann es auch sinnvoll werden, Ideen aus mehreren Teams miteinander zu kombinieren.

Der Prozess funktioniert, wenn ihr im Team und in der Gruppe offen und konstruktiv miteinander umgeht und diskutiert. Persönliche Angriffe sind tabu, es geht immer nur um die Sache.

Um möglichst schnell voranzukommen, könnt ihr bereits im Vorfeld eure Ideen clustern. Nutzt bei der Betrachtung der einzelnen Perspektiven Zahlen, Daten und Fakten. Und Bilder sagen immer mehr als umständliche Beschreibungen.

Probiert die NABC-Methode doch einfach mal aus.

Falls ihr bei der Bearbeitung Unterstützung benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.