Gründer können in Deutschland mittlerweile fast an jedem Tag an einer Schulung oder Veranstaltung teilnehmen. Und dennoch, in der aktuellen Phase suchen eine ganze Reihe von euch Rat bei einer Vielzahl konkreter Fragestellungen. Gute Beratung ist aber oft teuer und schwer zu finden. Welche Möglichkeiten habt ihr hier?

Förderung von Beratungsleistungen auch für Startups?

Das Jahr 2020 ist für Gründer weiterhin schwierig. Die Pandemie schränkt euch in den allermeisten Fällen in der unternehmerischen Tätigkeit stark ein und oftmals wird auch die Finanzierung langsam knapp. Fördertöpfe stehen zwar grundsätzlich zur Verfügung, daran zu kommen ist dann doch meist schwerer als gedacht.

In diesem Jahr ist schon eine Unmenge zu diversen Themen rund um die Finanzierung, die Organisation oder auch die erforderliche Anpassung eurer Geschäftsmodelle geschrieben worden. Nur konkret geholfen hat das in den wenigsten Fällen.

Wo findet ihr konkrete Ansprechpartner, die auch bezahlbar sind?

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA, bezuschusst im Rahmen der „Förderung unternehmerischen Know-hows“

  • Junge Unternehmen, die nicht länger als zwei Jahre am Markt sind (Jungunternehmen)
  • Unternehmen ab dem dritten Jahr nach der Gründung (Bestandsunternehmen)
  • Unternehmen, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden – unabhängig vom Unternehmensalter (Unternehmen in Schwierigkeiten)

Die Höhe der Förderung ist dabei von eurem Standort in Deutschland sowie der Art der Beratung abhängig. Als Gründungsdatum zählt bei gewerblich Tätigen der Tag der Gewerbeanmeldung bzw. des Handelsregisterauszugs, bei Freiberuflern die Anmeldung beim Finanzamt.

Für junge Startups werden allgemeine Beratungen bis zu 4.000 € gefördert, in den alten Bundesländern mit Berlin und der Region Leipzig mit 50%, in der Region Lüneburg mit 60%, im Rest der neuen Bundesländer mit 80%. D.h. in der Spitze werden 3.200 € eurer Kosten übernommen.

Bei Bestandsunternehmen ab dem 3. Jahr nach Gründung verringert sich die förderbare Beratung auf 3.000 €.

Gefördert werden unter anderem allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung.

D.h. es kann sowohl um die Erarbeitung und Erstellung eures Businessplans zur Vorlage in der nächsten Investorenrunde gehen als auch um die Anpassung eurer Organisationsstrukturen. Oder auch um die Erstellung einer aussagefähigen Finanzplanung für die Gesellschafter oder Banken.  

Die Durchführung dieser Beratungen erfolgt durch bei der BAFA gelistete Berater, die über einen QM-Nachweis verfügen und ihre Seriösität als Berater gegenüber der BAFA nachweisen. Die Beratung selbst wird der BAFA durch den Berater in einem Beratungsbericht nachgewiesen, so dass auch an dieser Stelle die Qualität gesichert wird. Junge Unternehmen sowie Unternehmen in Schwierigkeiten müssen zudem vor der Maßnahme von einem in der Region verankerten Förderberater die Freigabe für die Beratung erhalten. Das geht zwischenzeitlich auch telefonisch, ist also weniger bürokratisch als es klingt.

Eine ganze Reihe guter Startup-Berater können somit von euch zu guten Konditionen angesprochen werden.

Eine Besonderheit: Unternehmen in Schwierigkeiten

Wenn ihr bereits mehr als 50% eures Eigenkapitals verloren habt, könnt ihr als Unternehmen in Schwierigkeiten eingestuft werden. Diese können „eine Förderung erhalten für eine Unternehmenssicherungsberatung zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich können Unternehmen in Schwierigkeiten zur Vertiefung der Maßnahmen einer Unternehmenssicherungsberatung eine weitere Folgeberatung zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung gefördert werden.“ (Quelle: BAFA)

Gefördert wird eine Beratung von bis zu 3.000 € mit einem Zuschuss von 90%!

Passt nicht für den Fall, bei dem bewusst mit negativem EBIT geplant wurde. Wer jedoch ungewollt in diese Situation gekommen ist, kann sich hier bei der Beseitigung der wirtschaftlichen Schieflage professionell unterstützen lassen.

Und wie gesagt, ggfs. sogar mit Hilfe einer Vertiefungsberatung.

Klingt kompliziert?

Ja, kann aber für einige von euch sehr hilfreich sein. Wir beraten euch gerne konkret zu diesem Thema.

Wenn ihr also Fragen zur Förderberatung habt, sprecht uns – wie immer – gerne an…

 

 

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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