Der Aufschwung in der Gründerszene Deutschlands ist laut Berichten der t3n und der dpa im vergangenen Jahr zum Erliegen gekommen. Die staatliche Förderbank KfW schätzt die Zahl der Startups für 2019 auf rund 70.000 bei rund 127.000 aktiven Gründerinnen und Gründern – ebenso viele wie 2018. Zuvor war die Zahl kräftig gewachsen: 2016 hatte es 54.000 Startups gegeben, 2017 etwa 60.000. Wie geht es nun in Zeiten der Coronakrise weiter?

Durchwachsene Aussichten für neue Gründer?

Am 09.10. wurde von der KfW die obige Studie zur Entwicklung der Startup-Szene in den letzten Jahren vorgelegt. Grund für die Stagnation sei die abgeschwächte Konjunktur bei einem zugleich stabilen Arbeitsmarkt. Die Coronakrise hat zudem seit diesem Jahr einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklungen am Gründermarkt. „Durch die Coronakrise droht die Gefahr, eine ganze Startup-Generation zu verlieren.“, so der Bericht der dpa.

In der Studie werden Startups berücksichtigt, die vor weniger als fünf Jahren gegründet wurden, deren Gründer im Vollerwerb dort arbeiten und die innovations- sowie wachstumsgetrieben sind. Bei den meisten dieser Unternehmen ist die Kapitaldecke schwach, etwa 80% der Gründer haben bislang meist nur Gelder aus der eigenen Tasche oder von family & friends investiert.

Die Zukunftsaussichten sind aktuell laut der Studie durchwachsen: „Die Coronakrise berge große Risiken für die Gründerlandschaft, aber auch Chancen, betonte die KfW. Einige Startups müssten wohl aufgeben, zugleich aber rückten internetbasierte und digitale Geschäftsmodelle in Zeiten von Homeoffice und Online-Konferenzen stärker in den Fokus. Ob ein Zuwachs durch neue Gründer die Schließungen mehr als kompensiere, bleibe abzuwarten.

Etwas zynisch für Gründerinnen und Gründer, die wohl aufgeben müssen….

Tatsächlich klaffen in Deutschlands Investoren- und Bankenszene Anspruch und Wirklichkeit noch deutlich auseinander. Zwar hatte die Bundesregierung angekündigt, Startups in der Pandemie mit rund zwei Milliarden Euro zu unterstützen. Doch tatsächlich sind von diesen Fördermitteln bislang nur Bruchteile bei den zuvor noch nicht durch Investoren finanzierten Startups angekommen. Laut der vorgenannten Studie nutzen bereits 19% der Gründerinnen und Gründer Wagniskapital.

Dabei ist der relativ schwierige Zugang zu Wagniskapital der wichtigste Grund, warum die deutsche Gründerszene der in den USA, Großbritannien und Israel hinterherhinkt. Findet man noch deutsche Business Angel und auch strategische Partner, so werden gerade die großen Finanzierungsrunden durch Venture Capital aus dem Ausland bestimmt. Und das führt leider immer öfter dazu, dass deutsche Startups abwandern oder gleich im Ausland gründen. Für ein Land, das weltweit noch über die meisten Hidden Champions verfügt, ist das sicherlich keine zufriedenstellende Situation.

Also, …

Schlechte Zeiten für Gründer?

Gerade in den letzten Monaten hat sich in Deutschland – nicht nur wegen der Pandemie – eine Menge bewegt. Deutschland braucht Innovationen und muss sich als Industriestandort neu erfinden. Da macht es Sinn, dass junge Unternehmen stärker unterstützt werden. Und diese Erkenntnis kommt zunehmend in der Politik und bei den staatlichen Förderinstituten an.

Nahezu jedes Bundesland unterstützt bereits die Beratung von Startups rund um Themen wie den Businessplan oder den Aufbau passender Strukturen mit landeseigenen Fördermitteln. Digitalprodukte können vielfach zwischenzeitlich mit Förderhilfen vermarktet werden.

Und auch die Finanzierung wird oft einfacher. Neue Förderprogramme machen dem KfW-Gründerkredit zunehmend Konkurrenz. Es gibt zudem eine Menge staatlicher Beteiligungsprogramme, die private Investments in Startups unterstützen oder einfach einmal verdoppeln. „… Startups sind aus Sicht der KfW von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung, da sie ein wichtiges Erneuerungs- und Beschäftigungspotenzial…“  haben.

Gerade für Startups ist es sehr schwer, gutes Personal zu finden und vor allem langfristig zu binden. Auch hier will der Gesetzgeber nachbessern. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die Mitarbeiterbeteiligungsprogramme steuerlich attraktiver gestaltet werden. Auch dies ist ein wichtiger Punkt, um Deutschlands Gründerszene wettbewerbsfähiger zu machen.

Das alles macht eine Menge Hoffnung und in einigen Branchen stehen die Zeichen auf Wachstum.

Es geht also voran

In unserem eigenen Beratungsumfeld stellen wir fest, dass von etablierten Unternehmen zunehmend strategische Partnerschaften und Kooperationen mit Startups gesucht werden. Diese erhoffen sich durch eine solche Zusammenarbeit einen Innovationsschub. Und viele von ihnen sind bereit, Geld in Startups zu investieren. Auch das war vor einigen Monaten noch ganz anders.

Ja, während der ersten Monate der Coronakrise sind Finanzierungen gescheitert und Investorenrunden geplatzt. Und ja, es haben sich auch einige ausländische Investoren gerade vom deutschen Markt zurückgezogen. Auf der anderen Seite wird gerade tatsächlich selbst die Bankenfinanzierung etwas einfacher und es gibt neue Player auf dem Investorenmarkt.

Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat. Aber nicht, wer sie umsetzt. Wenn ihr also eine gute Idee habt und diese auch umsetzen wollt, dann unterstützen wir euch im growr-Netzwerk gerne bei der Suche nach passenden Finanzierungen oder Partnern.

Sprecht uns gerne an…

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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