Angesichts der gestiegenen erheblichen Haftungsrisiken des Führungspersonals bei Compliance-Verstößen selbst in Startups ist eine effektive Versicherung gegen daraus resultierende Regressansprüche dringend zu empfehlen. Aber es gibt einiges für euch zu beachten.

D&O-Versicherung – ein Muss für Manager von Startups?

Beim letzten Mal haben wir euch die Verschärfungen in der Compliance-Betrachtung und die anstehenden Gesetzesänderungen vorgestellt. Die Fälle, in denen der Compliance-Verantwortliche für Schäden sowohl im Unternehmen selbst als auch gegenüber Dritten persönlich haften, häufen sich.

Deshalb stellen wir euch heute die D&O-Versicherung etwas genauer vor.

Was ist eine D&O-Versicherung und für wen gilt eine D&O-Versicherung?

Deutsche Gerichte sehen die Unternehmensführung zunehmend in der Verantwortung, die Implementierung umfassender Compliance-Regeln zu veranlassen und zu gewährleisten, dass die gesetzlichen Regeln eingehalten, die Einhaltung effektiv kontrolliert wird sowie Vorkehrungen gegen Übertretungen geschaffen werden. Dabei ist das Risiko des Leitungspersonals auch persönlich in Anspruch genommen zu werden, in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Zunehmens geraten auch kleiner Unternehmen in dieses Risiko. Als Leitungspersonal werden dabei sowohl der Geschäftsführer, aber auch leitende Angestellte oder eventuell vorhandene Aufsichts- oder Beiräte verstanden.

Genau für diese Personengruppe der Directors and Officers bietet sich der Abschluss einer D&O-Versicherung an. Sie soll dem Führungspersonal eines Unternehmens Schutz vor schadensrechtlichen Folgen von Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen, Verletzung der Aufsichtspflicht und sonstigen Sorgfaltspflichtverletzungen bieten.

Ist eine D&O-Versicherung sinnvoll?

Angesichts der gestiegenen erheblichen Haftungsrisiken des Führungspersonals bei Compliance-Verstößen ist euch eine effektive Versicherung gegen daraus resultierende Regressansprüche dringend zu empfehlen.

Was müsst ihr beim Abschluss einer D&O-Versicherung beachten?

Besonders kleine Unternehmen und Startups sollten sich bei Abschluss eines grundsätzlich empfehlenswerten D&O Versicherungsvertrages gegebenenfalls rechtlich beraten lassen. Wichtig sind insbesondere folgende Punkte:

  • Der Versicherungsvertrag sollte die Außenhaftung, also die Haftung gegenüber Dritten, aber auch die Innenhaftung, also die Haftung gegenüber dem Unternehmen  – und damit gegenüber den Gesellschaftern – selbst abdecken.
  • Die Versicherungssumme sollte nicht zu gering gewählt werden. Heute sind Versicherungssummen zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro auch für Startups normal.
  • Der Vertrag sollte eine so genannte Rückwärtsdeckung, d.h. eine Abdeckung bereits vor Vertragsschluss entstandener, noch nicht bekannter Risiken sowie eine Vorwärtsdeckung, d.h. eine Abdeckung der sich erst nach Vertragsbeendigung verwirklichenden Risiken enthalten.
  • Die Versicherungsbedingungen sollten klar und transparent sein und keine unübersehbare Zahl an Ausschlusstatbeständen enthalten.
  • Die Versicherungsbedingungen sollten eine schnelle und unkomplizierte Schadensabwicklung ermöglichen.

(Quelle: Haufe-Gruppe, 2021)

Apropos unkompliziert. Es gibt einen viel geäußerten Vorbehalt, dass die D&O im Ernstfall nicht hilft. Und gerade die Komplexität und die Vielzahl der Haftungsausschlüsse eine solche Versicherung überflüssig macht. In der Praxis erleben wir es anders: bei Beratung durch einen sachkundigen Rechtsanwalt kann oftmals ein guter und vernünftiger Versicherungsschutz eingeholt werden.

Beim Vergleich der Anbieter spielt die Höhe der Prämie meist keine entscheidende Rolle, da diese Prämie an der Risikobewertung ausgerichtet wird Deshalb sind wichtiger:

  • das allgemeine Standing des Unternehmens,
  • und die Qualität des bereits implementierten Compliance-Systems.

Startup-Unternehmen zahlen im Schnitt eine um 20 % höhere Prämie als bereits langjährig am Markt etablierte Unternehmen, alles andere ist eben von der Risikobewertung abhängig.

Falls ihr weitere Fragen zu diesem Thema habt oder Unterstützung benötigt, stehen wir euch im growr-Netzwerk gerne zur Verfügung. Übrigens zwischenzeitlich auch mit dem neuen Förderpartner.de. Schaut doch auch dort einmal rein….

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

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