In vielen Gesprächen höre ich immer wieder eine deutliche Skepsis von Gründern gegenüber einer Finanzierung heraus – auch mit Hilfe von Gründerkrediten. Die Banken „finanzieren eh nicht“ und sind auch „nicht an der Vermittlung öffentlich geförderter Kreditprogramme“ interessiert. Und dennoch kann die Nutzung z.B. des ERP-Gründerkredits StartGeld eine gute Finanzierungsalternative sein.

Der ERP-Gründerkredit StartGeld – warum eigentlich nicht?

Die meisten Neugründungen werden privat finanziert

In Deutschland werden die meisten Neugründungen mithilfe der privaten Rücklagen oder dem Sparbuch von Oma und Opa finanziert. Die fehlende bzw. nicht ausreichende Finanzierung ist dabei der meistgenannte Grund von Schließungen und Insolvenzen junger Unternehmen.

Grundsätzlich sind genügend Fördermittel vorhanden

Dabei steht gerade in Deutschland für Existenzgründer eine große Anzahl an Fördermitteln zur Verfügung. Insbesondere die Kreditanstalt für Wiederaufbau besser bekannt als KfW Bankengruppe bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Fördermöglichkeiten an. Vorgeschaltet werden dabei die sogenannten Hausbanken, die als Vermittler der Fördermittel fungieren. Sowohl die Sparkassen als auch die Volks- und Raiffeisenbanken nehmen für sich in Anspruch, regionale Partner für Existenzgründungen zu sein und verfügen zumeist über eigene Gründungscenter. Und auch andere Banken sind zunehmend an Existenzgründern interessiert.

Oftmals werden Fördermittel nicht genutzt

Doch hier beginnt für die meisten Gründer der gefühlte Stress.

Üblicherweise stellen alle Banken und Sparkassen die Vergabe ihrer Kredite sehr stark auf die Sicherheiten ab, die sie von euch verlangen. Solltet ihr keine ausreichenden Sicherheiten anbieten können, ist den Banken und Sparkassen die Finanzierung eures Vorhabens meist zu riskant.

Dies führt in vielen Fällen schon zu einer ablehnenden Haltung der Gründer gegenüber den Banken und Sparkassen. Und damit auch gegenüber den öffentlichen Mitteln.

Der ERP-Gründerkredit StartGeld ist eine gute Alternative

Wenn die Bank ablehnt, ihr kein Bankdarlehen aufnehmen oder auch keine Sicherheiten stellen wollt, können natürlich private oder professionelle Investoren einspringen. Aber, die verlangen üblicherweise Mitbestimmung und einen Anteil an eurem Unternehmen.

Eine gute Alternative kann bei kleineren Finanzierungsvorhaben der ERP-Gründerkredit StartGeld sein.

Anbei Auszüge aus den Förderrichtlinien:

„Der ERP-Gründerkredit – StartGeld ermöglicht Gründern sowie Freiberuflern und kleinen Unternehmen, die noch keine 5 Jahre am Markt aktiv sind (Aufnahme der Geschäftstätigkeit, das heißt Datum der ersten Umsatzerzielung), eine zinsgünstige Finanzierung von Vorhaben in Deutschland mit einem Fremdfinanzierungsvolumen bis 100.000 Euro…

Die Finanzierung erfolgt als zinsgünstiges Darlehen. Die KfW gewährt dem durchleitenden Kreditinstitut eine 80-prozentige Haftungsfreistellung. Finanziert werden bis zu 100 Prozent des Gesamtfremdfinanzierungsbedarfs… Der Investitionsbetrag kann über 100.000 Euro liegen, wenn der übersteigende Betrag mit eigenen Mitteln finanziert wird…

Der Antragsteller soll nach Möglichkeit vorhandene eigene Mittel einbringen. Die Höhe der Eigenmittel fließt in die Bonitätsbeurteilung durch die KfW ein…

Die KfW macht keine Vorgaben hinsichtlich der Besicherung. Ob und in welchem Umfang Sicherheiten bestellt werden, ist zwischen Antragsteller und Hausbank zu vereinbaren. Falls Sicherheiten zwischen Antragsteller und Hausbank vereinbart werden, sind sie im Antragsvordruck nicht aufzuführen…

Sofern die Antragstellung durch ein Unternehmen mit haftungsbeschränkter Rechtsform (zum Beispiel Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co. Kommanditgesellschaft) erfolgt, hat die Hausbank die Mithaftung der Anteilseigner des Unternehmens entsprechend ihrer Beteiligungsquote zu vereinbaren (quotale Mithaft).“

Wie aus den vorgenannten Richtlinien hervorgeht, übernimmt die KfW einen Großteil eures Unternehmens- und Kreditrisikos gegenüber der Hausbank. Und damit wird eine Finanzierung vielleicht wieder eine interessante Alternative zur Abgabe von Anteilen an eurem Unternehmen.

Zur Bewertung werden ein Businessplan / Unternehmenskonzept, eine Rentabilitätsvorschau und eine qualifizierte Kapitaldienstberechnung für jeweils 2 Jahre benötigt. Inhaltliche Anforderungen der KfW an diese Unterlagen einschließlich Checklisten könnt ihr im Internet im Download-Bereich auf kfw.de abrufen.

Probiert es einfach einmal aus.

Informiert euch rechtzeitig bei eurer Hausbank. Dabei helfen können euch euer Gründungscoach, die örtliche Wirtschaftsförderung oder die IHK. Zudem findet ihr auf der Website www.foerderdatenbank.de einen schnellen und unkomplizierten Überblick über diverse weitere Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.

Falls ihr weitere Unterstützung – zum Beispiel bei der Auswahl einer passenden Hausbank – benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns und in diesem Fall gerne mich an.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.