In den vergangenen Jahren haben immer mehr Unternehmen eigene Investmentabteilungen, Acceleratoren oder Inkubatoren aufgebaut. Und immer mehr Corporates investieren verstärkt in Startups. Doch sie verfolgen bei diesen Beteiligungen und Finanzierungen auch handfeste eigene Interessen. Was müsst ihr beachten, wenn euch ein Corporate seine Beteiligung anbietet?

Corporate Venture Capital – was ist das überhaupt?

Professor Dr. Tobias Kollmann definiert im “Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung: 2.000 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden“ Corporate Venture Capital oder kurz CVC als „Eigenkapital von nicht im Finanzbereich tätigen Firmen, das in eigene Ausgründungsprojekte oder in von außen kommende Startup-Unternehmen investiert wird.“

Während ein klassischer VC-Geber vor allem Rendite erzielen will, haben CVC-Geber oftmals eine Reihe weiterer Interessen. Dabei sollen in den meisten Fällen die strategischen Ziele der Muttergesellschaften unterstützt werden. Z.B. sollen neue Technologien für die Muttergesellschaft erschlossen, ein Startup oder ein Teilmarkt vor der Konkurrenz gesichert werden oder es sollen eigene Aktivitäten am Markt begleitet und unterstützt werden.

Seid ihr eine Ausgründung eines Mutterkonzerns oder einer Universität, werdet ihr mit diesen Zielen eurer VC-Geber kein Problem haben. Was ist aber, wenn ihr unabhängig gestartet seid? Was solltet ihr dann beachten?

Vorteile der Beteiligung eines Corporates

Grundsätzlich ist es erst einmal klasse, wenn sich jemand für euch interessiert und sogar bereit ist, Geld in euer Startup zu investieren. Mit dem Einstieg eines renommierten Unternehmens könnt ihr auf jeden Fall eure Reputation weiter steigern. Und in vielen Fällen ergänzen sich die Interessen von CVC und Startup optimal. Vielleicht erhaltet ihr über euren Partner Zugang zu Märkten und Marktplätzen, zu weiteren Technologien oder zu neuen Kooperationspartnern. Das kann dann schon einen ganz schönen Boost für euer Unternehmen darstellen. In anderen Fällen aber auch zu bösen Konflikten führen.

Mögliche Stolpersteine und Konflikte

Denn mit dem Engagement eines CVC-Gebers sinkt oftmals das Interesse weiterer Corporates, sich zu beteiligen. Zumindest, wenn sie als Konkurrenten am Markt auftreten. Möglichweise fließt auch ungewollt euer Know-how an den CVC-Geber ab oder ihr müsst eure USP´s dem Mutterkonzern zugänglich machen.

Angenommen, ihr habt eine Branchenlösung aufgebaut und nun beteiligt sich einer der größten Player der Branche bei euch. Werden seine Konkurrenten ebenfalls Kunden von euch werden oder bleiben?

Ein weiteres großes Problem stellen die vielfach nur ungenügend definierten Anforderungen der Muttergesellschaft an ihre CVC-Gesellschaft dar. Dies führt dazu, dass auch die Anforderungen des CVC-Gebers an das Investmentziel, also euer Startup, in vielen Fällen nur ungenau und wenig konkret benannt werden. Zumindest bei den nicht-finanziellen Zielen.

Nutzt einfach den Corporate Venture Capital Canvas

Um dieses Thema bereits im Vorfeld zu klären, bietet sich ein gemeinsamer Workshop mit eurem CVC-Geber an, in dem ihr mithilfe des Corporate Venture Capital Canvas das Anforderungsprofil besprecht. Ganz wichtig: in diesem Canvas werden die Anforderungen an den CVC-Geber besprochen. Und erst danach kann das Startup entscheiden, ob eine Zusammenarbeit mit dem CVC-Geber bzw. auch dem Gesamtkonzern sinnvoll ist.

Eine gute Vorlage findet ihr bei strategytools.io, diese ist allerdings nicht kostenlos.

Strategytools Corporate Venture Capital Canvas

Quelle: https://www.strategytools.io/strategy-tools/corporate-venture-capital-canvas/

Probiert es einfach einmal aus….

Falls ihr weitere Unterstützung – zum Beispiel bei der Suche nach passenden Investoren – benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.