Für die Startups in Deutschland hält die Krise noch an. In den vorherigen zwei Teilen, haben wir euch schon ein paar Tipps gegeben, wie ihr durch die Krise kommen könnt. Lest in diesem Beitrag von Heinz genauer was ihr jetzt tun solltet.

Corona – das Hilfsprogramm für Startups steht

Wie versprochen, bleiben wir für euch bei den Fördermitteln für Startups in der Corona-Krise am Ball. Startups sind massiv betroffen, gerade weil die meisten der bislang vergebenen Fördermaßnahmen für sie nicht greifen. Anfang April hatte die Bundesregierung ein 2 Mrd. € schweres Hilfspaket explizit für Startups verabschiedet. Leider fehlten die genauen Durchführungsverordnungen, die nun nachgereicht wurden. Grund zum Jubel? Ein kurzer Überblick. 

Anfang April hat die Bundesregierung die Wagniskapitalfinanzierung um rund 2 Mrd. € erweitert, damit weiterhin Finanzierungsrunden für zukunftsträchtige innovative Startups aus Deutschland stattfinden können. In den vergangenen Wochen haben dann das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium der Finanzen gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der KfW Capital die Details des Maßnahmenpakets ausgearbeitet. Bereits am 30.04.wurden diese Ergebnisse verkündet.

Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im BMF: „Heute gibt es gute Nachrichten für Gründerinnen und Gründer: Das Hilfspaket für Start-ups steht. Mit dem Start-up-Schutzschild hilft der Bund schnell und wirksam dieser wichtigen Wachstumsbranche, die in Deutschland viele tausend Beschäftigte hat. Es geht darum, junge, innovative Unternehmen gut durch die Corona-Krise zu bringen. Wir brauchen die neuen und kreativen Ideen der Start-ups und der jungen Technologieunternehmen, um nach der Krise wieder voll durchzustarten. Klar ist dabei, dass wir Steuergelder mit Augenmaß einsetzen.“

Gerade der letzte Satz verdeutlicht noch einmal, für wen das Programm gedacht ist: Es sollen gezielt Start-ups und kleine mittelständische Unternehmen mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell adressiert werden. Um Missbrauch zu vermeiden, muss eine gänzlich andere Risikoprüfung als bei den übrigen Rettungsprogrammen zugrunde gelegt werden, da sich der Bund mittelbar an den Startups beteiligen wird. Das bedeutet, eine sorgfältige Abwägung ist erforderlich, um einen sorgfältigen Umgang mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sicherzustellen. Diesen Anforderungen will der Bund mit zwei Säulen gerecht werden. Nachfolgend die Veröffentlichung des BMWI vom 11.05.2020:

„Säule1 für Start-ups, die bisher bereits durch private VC-Fonds finanziert sind bzw. neu durch private VC-Fonds finanziert werden sollen: die Corona-Matching-Fazilität (CMF):

  • Über die sog. Corona-Matching-Fazilität werden Wagniskapitalfonds zusätzliche öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt, damit diese weiterhin in der Lage sind, Finanzierungsrunden von Start-ups mit ausreichenden Mitteln zu begleiten.
  • Die einzelnen Fonds können die öffentlichen Mittel im Verhältnis von bis zu maximal 70 zu 30 (70 = öffentliche Mittel, 30 = private Mittel) „matchen“, die einzelnen Finanzierungsrunden können maximal bis zu 50% Mittel aus der CMF erhalten. Soweit in einer Runde noch nicht 50% CMF-Mittel enthalten sind, dürfen Fonds eine Matchingquote mit bis zu 70% öffentlichen Mitteln in Anspruch nehmen.
  • Entscheidet sich ein Fonds, die CMF zu nutzen, so muss er sich für ein festes Matchingverhältnis entscheiden (bis zu maximal 50% öffentlicher Mittelmit Aufstockung bis zu 70% öffentliche Mittel, bis 50% CMF-Mittel in einer Runde erreicht sind), das dann für alle seine Investitionen im Bestand gleichermaßen gilt. Damit verpflichtet er sich, bis zum 31.12.2020 alle seine weiteren Investitionen im Bestand zum Matching anzubieten (Andienungspflicht).
  • Ferner kann sich ein Fonds auch zusätzlich entscheiden, seine neuen Investitionen (außerhalb des Bestands) mit der CMF zu matchen. Auch hier gilt es, dass er sich für ein Matchingverhältnis entscheidet, das dann für alle neuen Investitionen bis zum 31.12.2020 gilt. Ebenfalls obliegt ihm dann eine Andienungspflicht auch aller neuen Investitionen an die CMF. Das Matchingverhältnis bei den Neuinvestitionen kann der Fonds unabhängig von seinem Matchingverhältnis beim Bestand bestimmen. Es kann also hier zwei unterschiedliche Matchingverhältnisse geben.
  • Mit der sog. pari-passu-Logik bewegt sich das Programm im beihilferechtlich zulässigen Rahmen. Zugleich wird damit –im Interesse des Bundeshaushaltes –sichergestellt, dass die öffentlichen Mittel zu den gleichen Konditionen wie die privaten Mittel investiert werden.
  • Genutzt wird hier in einem ersten Schritt der Weg über die beiden Dachfonds in Kooperation mit der KfW Capital und dem Europäischen Investitionsfonds, die beide langjährige und sehr intensive Verbindungen zu einer Vielzahl von VC-Fonds haben, die in Deutschland aktiv sind.
  • Möglich soll auch der Weg zu den Start-ups über private und öffentliche Fonds sein, die sich nicht in diesen beiden Portfolien befinden. Ziel ist es, so viele Start-ups wie möglich zu erreichen.
  • Antragsberechtigt sind nicht die Start-ups selbst, sondern die VC-Fonds. Das können sowohl Fonds sein, in die bereits KfW Capital und EIF investiert sind, als auch „neue“ Fonds, die bisher noch keinen dieser beiden Kapitalgeber in ihrem Investorenkreis haben. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Corona-Matching-Fazilität ist dabei das erfolgreiche Durchlaufen einer Due Diligence. Ziel ist es, einen an Qualitätsmerkmalen orientierten, selektiven Zugang zum Programm sicher zu stellen.
  • Die Programmbedingungen werden jetzt finalisiert, sodass den Fonds im Laufe des Mai die Auszahlungen zur Verfügung gestellt werden können.

Säule2 für Start-ups, die keinen Zugang zu Säule 1 haben:

  • Für Start-ups und kleine Mittelständler, die keinen Zugang zur Corona-Matching–Fazilität haben, werden weitere Wege geöffnet, um deren Finanzierungen in diesen Zeiten sicherzustellen.
  • Hier soll in enger Zusammenarbeit mit Landesgesellschaften Wagniskapital zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere Option ist, den Landesförderinstituten die Bundesmittel zur Verfügung zu stellen, damit diese dann über ihr Netzwerk die Mittel an Start-ups und kleine Mittelständler weiterreichen. Die Landesförderinstitute verfügen über ein breites Netzwerk mit regionalen Beteiligungsgesellschaften und öffentlichen Fonds, Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, Family Offices und Business Angels. Auch Fintechs können hier eine wichtige Rolle spielen.
  • Das Risiko wird zwischen Bund und jeweils involvierter Landesgesellschaft sowie ggf. privaten Investoren geteilt.
  • Die EU-Kommission hat mit der vorübergehenden Anpassung des beihilferechtlichen Rahmens bis zum 31.12.2020 hier einen guten Handlungsspielraum gegeben: So kann die öffentliche Hand bis zu 800.000 Euro an öffentlichen Mitteln beihilferechtskonform ausreichen.“

Klasse, dass die Bestimmungen nunmehr vorhanden sind. Und erstmalig hat die Politik für Startups schnell und verhältnismäßig unbürokratisch ein Hilfsprogramm geschaffen.

Aber reicht das schon? Wie ein Start-up nachweisen soll, dass aus einer Idee ein funktionierendes Geschäftsmodell werden kann, ist noch nicht definiert. Ebenso fehlen die genauen Durchführungsbestimmungen. Damit steht die Liquidität auch weiterhin noch nicht wirklich zur Verfügung. Aber es lohnt sich, auf die aktuellen Pressemitteilungen der Ministerien zu schauen. Da sollte ja nun bald was Konkretes kommen.

Ein tolles Beispiel für ein gelungenes Fördermittel findet ihr übrigens schon jetzt in NRW.

Dort stellt die NRW-Bank in ihrem Programm „Start-up akut“ Wandeldarlehen zur Verfügung. Bis zu 200.000 Euro können junge Digitalunternehmen darüber erhalten. Den Betrag müsst ihr dann entweder verzinst zurückzahlen – oder er wird bei der nächsten Finanzierungsrunde in Anteile umgetauscht.

Was könnt ihr sonst noch tun?

Wer von euch Soforthilfen beantragt hat, sollte bitte prüfen, ob er weiterhin förderberechtigt ist, da der Verwendungszweck nachträglich immer weiter eingeengt wurde. Für den klassischen Lebensunterhalt darf das Geld jedenfalls nicht mehr verwendet werden. Und jede Krise bietet auch Chancen.

Prüft bereits jetzt, ob ihr euer Geschäftsmodell für die Zeit nach der Krise überarbeiten könnt und welche Zielkunden ihr ansprechen könnt.

Bis dahin stehen wir euch bei Fragen zu den vorgenannten Themen und zur Beantragung der Hilfen gerne zur Seite. Ruft uns einfach an oder sendet eine Mail…

Nutzt euer growr-Netzwerk. Und vor allem…. Bleibt gesund!

 

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.