Im Startup-Umfeld wird immer wieder diskutiert, ob es nicht ausreicht, wenn ein Business Canvas und ein Unternehmens-Pitch erstellt werden. Ist die Erstellung eines Businessplans überhaupt noch zeitgemäß?

Auch im Startup: ein Plädoyer für den Businessplan

Es war vor einigen Wochen am Freitag und an sich hatte das Wochenende gerade begonnen. An der Hoteltheke sitze ich aber noch mit zwei jungen Gründern zusammen. Ihre Ersparnisse komplett im Unternehmen und auf Basis eines kleinen Konzepts hatte die Hausbank auch ein kleines Darlehen gegeben.

Die Anfrage nach einer weiteren Kreditierung war dann aus mehreren Gründen abgelehnt worden

  • kein Businessplan
  • das Konzept war der Bank nicht ausreichend klar
  • es fehlten Infos zu Organisation, geplantem Wachstum und die betriebswirtschaftliche Auswertung war in der Seed-Phase natürlich nicht so toll.

Was nun?

Die wichtigste Frage vorab: Komme ich tatsächlich ohne einen Businessplan aus?

Wer als Gründer Geld von der Bank benötigt, kommt an der Erstellung eines Businessplans nicht vorbei. Das gilt für die normale Gründung eines Handwerksbetriebs und genauso für die Gründung eines Technologie-Startups. Auch Investoren geben sich bei einer Due Diligence nicht mehr mit einem Pitch zufrieden.

Und damit ist die klare Antwort: JA, der Businessplan wird weiterhin benötigt.

Ein Plädoyer für euren Businessplan

Aber nicht nur als ungeliebtes Instrument, um Geld von Investoren und Banken zu erhalten! Sondern als euer Dreh- und Angelpunkt zur Steuerung eures frisch gestarteten Unternehmens.

Stellt euch vor, der Autohändler eures Vertrauens liefert euch das neue Auto ohne Betriebsanleitung. Ihr werdet dann fahren und eine Menge der Features auch nutzen können. Aber alle Features? Nein. Im Normalbetrieb vielleicht auch nicht notwendig. Spannend wird es vor allem dann, wenn ihr es mit einem Betriebsfehler zu tun bekommt. Wer viel mit Mietwagen unterwegs ist, kann das gut nachvollziehen.

So ähnlich verhält es sich auch mit eurem Businessplan. Er ist eure „Betriebsanleitung“ und soll euch im Tagesgeschäft unterstützen, aber auch in allen anderen Situationen.

Investoren- oder Bankgespräche, Gespräche mit Behörden und Großkunden, die Struktur mit geplantem Wachstum und zugehörigen Budgets, Strategieziele, usw. Allesamt Situationen, die nicht unbedingt das Tagesgeschäft betreffen, gleichzeitig aber viel entscheidender für die Zukunft des Unternehmens sein können.

Der Businessplan

  • schafft hier Struktur und Orientierung,
  • stellt die USPs des Unternehmens dar, ebenso die Machbarkeit,
  • gibt Auskunft über eure Zielkunden und das Marktpotential,
  • gibt Auskunft über eure Konkurrenten und Wettbewerber,
  • bildet den Finanzbedarf ab,
  • und bietet euch die Möglichkeit, ein strukturiertes Controlling aufzubauen.

All das schafft Vertrauen bei euren Business-Partnern, ermöglicht euch fokussiert an eurem Unternehmen zu arbeiten und auch in hektischen Zeiten einen Fixpunkt nutzen zu können.

Übrigens: Fünfzig Prozent aller Neugründungen – und noch mehr, wenn man nur die Startups betrachtet – überleben die ersten fünf Jahre nach dem Start in die Selbstständigkeit nicht. In vielen dieser Fälle hätte ein Businessplan bereits vorher gezeigt, ob die Geschäftsidee tatsächlich Potenzial hat und auch rentabel sein kann.

So, jetzt aber genug mit dem Wort zum Sonntag 😊

Meine beiden Gründer haben zwischenzeitlich ihren Businessplan erstellt und dabei herausgefunden, dass sie sich noch einmal sehr stark mit ihrem Ertragsmodell auseinandersetzen müssen.

Klasse, dass sie das herausgefunden haben, bevor sie sich noch weiter verschulden.

Probiert es einfach einmal aus

Die Erstellung eines Businessplans kann auch Spaß machen. Es finden sich eine ganze Menge Muster im Netz. Besonders gut unterstützen z.B. die Vorschläge von Gründer.de/Formblitz oder von Start2grow.

Falls ihr Unterstützung bei der Erstellung eures Businessplans benötigt, nutzt euer growr-Netzwerk. Sprecht uns gerne an.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.