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Ab wann braucht Ihr eigentlich einen CFO?

Während ihr anfänglich ein kleines Gründerteam mit breiten Aufgabenspektren seid, werdet ihr irgendwann klare Stellen definieren müssen – wie die des CFO. Wann ihr ihn braucht und was er mitbringen muss, erklärt euch unser Gastautor Heinz Faessen.

Ab wann braucht Ihr eigentlich einen CFO?

Zahlenguru, Numbercruncher, Kostenkontrolleur, Finanzfuchs? Wofür braucht ihr eigentlich einen Chief Financial Officer? Und noch viel wichtiger, wann braucht ihr ihn?

Kennt ihr einen Gründer, der sich in der Early-Stage-Phase lieber mit den Zahlen und Finanzen beschäftigt als mit seinem Produkt und seinen Kunden? Eher nicht? Ich auch nicht. Die Produktentwicklung, die Suche nach Vertriebswegen und zahlenden Kunden oder auch die Suche nach passenden Kooperationspartnern nehmen den oder die Gründer eh schon genug in Anspruch.

Schließlich soll euer Produkt ja etablierte Industrien verändern und die Spielregeln neu definieren. Da sind Fragen wie: “Welchen Preis kann ich für mein Produkt verlangen?” oder “Wie viele Abschlüsse muss das Vertriebsteam machen, um den Break-Even zu erreichen?” weitaus weniger attraktiv.

In vielen Fällen besteht euer Gründerteam zu diesem Zeitpunkt aus einem CEO und einem Entwickler. Wenn es gut läuft, habt ihr sogar einen COO. Dieser verantwortet zumeist neben den operativen Aufgaben auch die Themen Finanzen und Buchhaltung. Alternativ habt ihr vielleicht einen Mitarbeiter im Team, der sich gut in den Bereichen Finanzen, Administration und Buchhaltung auskennt und diese erst einmal übernimmt. Falls beides nicht zutrifft, kann es bereits zu diesem Zeitpunkt Sinn machen, einen CFO an Bord zu holen.

Der CFO stellt die finanziellen Weichen.

Denn gerade in dieser frühen Phase werden schon viele finanzielle Weichen gestellt. Zur Führung des Unternehmens benötigt ihr eine sogenannte integrierte Finanzplanung, die Aussagen zu den geplanten Investitionen, zum Umsatz, zum Ertrag, zu den Kosten und zur Liquidität beinhaltet. Und darüber hinaus sind Personal, Marketing und Vertrieb zu planen. Um eine möglichst gute Übersicht zu bekommen, solltet ihr bereits in der Early-Stage-Phase passende Kostenstellen und Profit-Center definieren. Spätestens, wenn ihr Gespräche mit Investoren plant, wird es Zeit für den CFO.

Der ist – grob gesagt – euer Unternehmensfinanzchef. Er ist zumeist dem CEO unterstellt, entwickelt mit ihm die Strategie und setzt diese in den kaufmännischen Bereichen um. Gemeinsam mit dem COO übernimmt er die Steuerung der operativen Aufgaben. Und in der Early Stage-Phase übernimmt der CFO sogar recht oft komplett die Aufgaben des COO. Also unter anderem Personal, Organisation und Service, manchmal sogar das Projektmanagement.

Wenn das Unternehmen größer wird oder euer Geschäftsmodell extrem personal- bzw. organisationsintensiv ist, solltet ihr diese Aufgaben jedoch wieder an einen COO übertragen.

Denn gerade in Finanzierungsrunden, bei der Internationalisierung oder bei extrem starken Projektgeschäft wird euer CFO mit den Finanzthemen schon komplett ausgelastet sein. Zum Beispiel, wenn Zahlungsverkehr, Cash- und Währungs-Management oder Handelsgeschäfte sauber aufgesetzt und abgewickelt werden müssen. Wenn ihr euch mit Payment-Serviceprovidern, deren Prozessen und Preismodellen beschäftigen müsst. Mit der Rechtsprechung in anderen Ländern. Oder mit der generellen Kapitalbindung eures Unternehmens.

Klingt nicht sehr sexy? Ist aber leider überlebenswichtig.

Aber wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Für euch als Startup ist eine Kooperation mit einem Konzern oder einem großen Mittelständler ein spannendes Thema. Dieser kann Partner oder Kunde bei der Entwicklung eines Produkts werden, vielleicht aber auch Investor, Förderer, Vertriebsbeschleuniger und noch vieles mehr.

Was macht einen guten CFO aus?

Gute CFOs organisieren das richtige Kapital zur richtigen Zeit. Sie suchen mit euch den passenden Investor zur passenden Zeit und skalieren mit euch euer Wachstum und eure Ressourcen. Im einzelnen:

1. Ansprechpartner für die Shareholder und Stakeholder

Neben der Führung der Finanzabteilungen wie Accounting und Controlling sind CFOs für das Einwerben von Finanz- und Kreditmitteln verantwortlich. Sie sind verlässliche Ansprechpartner für Behörden, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und vor allem für die eigenen Shareholder. Einem guten CFO gelingt es, das Vertrauen aller Beteiligten zu gewinnen und nachhaltig zu behalten.

2. Eigenes unternehmerisches Mindset

In einem Startup muss ein CFO ein sehr viel breiteres Aufgabengebiet bearbeiten als in einem mittelständisch geprägten Unternehmen. Deshalb muss er selbst stark unternehmerisch motiviert sein.

3. Verlässliche Zusammenarbeit mit den Gründern

Oft kommt der CFO erst später an Bord und ist in vielen Fällen älter als die Gründer. Ein guter CFO ist dabei für euch als Gründer ein kompetenter Berater auf Augenhöhe, der vielleicht sogar viel erfahrener ist. Er ist aber bereit, sein Ego zurückzunehmen und eher aus der „zweiten“ Reihe zu agieren.

4. Analytisches Mindset

Ein guter CFO versteht die Wertschöpfungskette eures Startups und kennt eure Einkaufs- und Absatzmärkte. Er denkt in Machbarkeit und Skalierbarkeit auf Basis von Cash-flow und EBIT.

5. Digitales Mindset

Viele Geschäftsmodelle sind datengetrieben und sollen skalierbar sein. Und auch die klassischen Aufgaben wie die Buchführung, das Risikomanagement oder das Controlling laufen immer datengetriebener ab.

Umso wichtiger, dass ein guter CFO eine digitale Denke und ein gutes IT-Verständnis hat.

Als eher analytisch geprägter Geschäftsführer ist der CFO in den meisten Organisationen neben den reinen Finanzfunktionen auch für den Einkauf, Steuern, Recht, Compliance und das Qualitätsmanagement verantwortlich. Und wo kein COO vorhanden ist, gerne auch einmal für die Themen Personalverwaltung und Organisation.

Zum Schluss noch ein Tipp: Sollte euch ein CFO in den ersten Jahren zu teuer sein, dann denkt doch mal über einen Interim-CFO oder einen Financial Advisor für euer Unternehmen nach. Der belastet euer Budget wesentlich geringer und kann trotzdem mit euch die entscheidenden Weichen stellen. Oder euch einzelne Aufgaben komplett abnehmen, wie z.B. die Vorbereitung einer Finanzierungsrunde.

Bei weiteren Fragen z.B. zum Interim-CFO und gerne auch zu anderen Fragen meldet euch gerne bei uns.

Vielen Dank für diesen Beitrag an unseren Gastautor Heinz Faessen

Heinz Faessen. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft

Heinz Faessen ist Inhaber der pro3 innovation consult und begleitet seit mehr als 25 Jahren Unternehmer und Existenzgründer. Vor seiner eigenen Selbständigkeit war Heinz als kaufmännischer Leiter einer Systemhausverbund Gruppe, als Leiter der Betriebswirtschaftlichen Mitgliederberatung einer CE-Verbundgruppe und als Firmenkundenberater in der Sparkassenorganisation tätig. Bei growr schreibt er regelmäßig zu Fragen rund um die Existenzgründung und zur Betriebswirtschaft.

2019-04-03T11:25:12+00:00April 3rd, 2019|Führung, Gastbeitrag|

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